18. Januar 2012
Lesenswerte Theaterblogs
Blog von René Pollesch
popp-Art
Theaternachtgedanken
Wanderlust Blog
Sehr ans Herz legen möchte ich euch noch den Theatertreffen-Blog, der jedes Jahr Hintergrundinfos während des tt bietet, Eindrücke in die Geschehnisse vor und hinter der Bühne des tt gibt und stets von sehr engagierten Bloggern betrieben wird. Während des Theatertreffens ist der tt-Blog für mich ein absolutes Muss: tt Blog 2012
19. Dezember 2011
Im Männerknast: Premiere „Edward II“ von Christopher Marlowe (Schaubühne)

Gedanken und Gefühle sortieren nach diesem Stück, das mich wahnsinnig berührt hat. Ein Inszenierung deren Bilder und Eindrücke einem nicht so schnell aus dem Kopf gehen.
Edward II, König von England ist verliebt in den Emporkömmling Gaveston und ignoriert von seinem Liebestaumel verblendet die bevorstehende Gefahr (England ist von Feinden umzingelt). Er kommt seinen Pflichten als Herrscher nicht mehr nach und verliert zunehmend an Autorität. Eine Gruppe von Edelmännern will Gaveston beseitigen. Die Motive sind dabei unterschiedlich: Während der Anführer Mortimer für sich Karriere- und Aufstiegschancen wittert und obendrein mit der verstoßenen Königin anbandelt, geht es Edwards Bruder Kent darum, die Ordnung wieder herzustellen.
Ivo van Hove verlegt die Handlung von Edward II (Christopher Marlowe) in ein Gefängnis und besetzt das Stück durchgehend mit Männern. Machtkämpfe und Gewalt sind hier an der Tagesordnung und über den Knastzellen, die von je einem Mann bewohnt werden, hängt eine Videoleinwand auf der Bilder aus den Zellen oder dem hinteren Bühnenbereich gezeigt werden. Als Gefängniswärter überblickt Leicester von seinem Büro aus die Geschehnisse in den Zellen und führt schließlich auf Anweisung Hinrichtungen durch.
Gaveston stört die Männer in ihrer Ordnung und ihrem Standesdünkel und muss beseitig werden. Nicht an der Homosexualität des Königs stören sie sich – diese wird von allen Insassen praktiziert (zusätzlich hat Ivo van Hove die einzige weibliche Rolle ebenfalls mit einem Mann besetzt). Eifersucht und die Angst, jemand von unangemessenem Stand könne von der Gunst des Königs profitieren, treibt sie an.
Um an dieser Stelle zwei schauspielerische Leistungen zu hervorzuheben: Stefan Stern überzeugt als Edward in seiner Hingabe an seinen Geliebten Gaveston (Christoph Gawenda) sowie seiner Verzweiflung über dessen Tod und dem folgenden Verfall. Aus dem Ensemble sticht außerdem Kay Bartholomäus Schulze als verstoßene Königin Isabella heraus. Der schwierige Text scheint wie für ihn geschrieben zu sein – einen anderen Schauspieler kann man sich in dieser Rolle in dieser Inszenierung nur schwer vorstellen.
Kaum eine Minute bleibt dem Zuschauer, um sich zu erholen. Die an die Nieren gehenden Gewaltszenen werden verstärkt durch die Verdopplung auf der großen Videoleinwand. Das intensive sehr körperliche Spiel der Schauspieler – oft finden zudem Handlungen parallel auf der Bühne statt – gewährt einen tiefen Einblick in die Seelen der Figuren. Noch nicht mal zwischen den Szenen, wenn die Bühne dunkel wird, bleibt Zeit, um das Gesehen sacken zu lassen, denn auf dem Bildschirm werden zwischen den Szenen die Themen (Politik, Verrat, Homosexualität…) des Stückes mit einem Donnerschlag eingeblendet. Die Schlussszene, in der Leicester nach getaner Arbeit und der Durchführung aller Morde, den Weg nach Hause antritt, wo er von seiner Frau mit dem Abendessen empfangen wird, führt einem noch einmal die Kaltblütigkeit im Stück vor Augen. Soeben wurden sechs Menschen niedergemetzelt und schon sind sie Geschichte, man geht zur Tagesordnung über.
Wenn ich die Nachtkritik und die Kritikerrundschau lese, frage ich mich, ob ich das selbe gesehen habe, wie die meisten Kritiker. Natürlich gibt es unterschiedliche Geschmäcker. Aber kann man eine Inszenierung so unterschiedlich auffassen?
Infos zum Stück auf der Seite der Schaubühne.
Foto: Jan Versweyveld
7. Dezember 2011
Raum für Schauspieler: "Kinder der Sonne" von Maxim Gorki (Deutsches Theater)
In Gorkis Stück lässt tritt die sogenannte "Intelligenzija" auf - ein Wissenschaftler (Ulrich Matthes), ein Künstler (Sven Lehmann) und ein Tierarzt (Alexander Khuon). Diese Menschen sind in ihre Welt so stark eingebunden, dass sie, obwohl sie sich moralisch verantwortlich fühlen, nicht im Stande sind zu handeln. Ich empfehle in diesem Zusammenhang das Programmheft zur Inszenierung. Hierin finden sich sieben Interviews mit Personen, die die Themen, Figuren und Empfindungen in Gorkis Stück wiederspiegeln. Ein Tierarzt, der das Theater liebt, eine Dozentin, ein Genetiker, eine Architektin, die von der unerwiedertern Liebe zu ihrem Chef spricht (sehr berührend!) u.a.
Weitere Infos auf der Seite des Deutschen Theaters
25. November 2011
Eine Reise ins Innere: "Winterreise" von Elfriede Jelinek (Deutsches Theater)
Weitere Infos zur Inszenierung auf der Seite des Deutschen Theaters.
14. November 2011
Du wirkst etwas verhaltensauffällig: "Perplex" von Marius von Mayenburg (Schaubühne)
Wenn vier Schauspieler über ihre Rolle auf der Bühne erzählen und dabei von einer in die nächste Wechseln, ohne dass sich genau festlegen lässt, wann die Szene und die Rolle wechselt, dann ist das Perplex. In dem Stück von Marius von Meyenburg spielen sich Eva Meckbach, Judith Engel, Robert Beyer und Sebastian Schwarz selbst. Oder vielleicht doch nicht? Sie spielen Eva, Judith, Robert und Sebastian, die verschiedene Rollen spielen in wechselnden Paarungen. Der Übergang von einer Szene in die nächste, der Wechsel von einer Rolle in eine andere ist dabei fließend. Beim Zuschauer entwickelt sich freudige Erwartung auf die die nächste Figur, die nächste Konstellation („Das ist in jedem Vier-Personen-Stück so: Beischlaf mit Partnertausch und anschließender Depression.“) Immer kann mindestens eine Person, die Szene nicht steuern, weil die anderen längst bestimmt haben, wohin es gehen soll.
Das Stück steckt voller Anspielungen auf die Arbeit am Theater, auf Klischees, auf Situationen, die Schauspieler seit Jahren kennen. So erklärt Judith, wie es ist, wenn sich die Schauspieler in ihren Rollen im Stück eben noch gegenseitig umbringen wollten und in der nächsten Minute, wenn das Licht aus und wieder angeht, rücksichtsvoll den umgefallenen Stuhl aufheben, der in der vorigen Szene umgestoßen wurde: „Immer hebt einer den Stuhl auf.“ Und als ob sie das unterstreichen wollten, schiebt einer der Schauspieler am Ende des Stückes vor der Verbeugung die soeben auf der Bühne verteilten Polster beiseite, damit die Kollegen nicht darüber stolpern. Unbewusst oder absichtlich?
Und auch der geübte Theaterzuschauer wird angeschubst. Wenn Eva Sebastian unterbricht, der in einer typischen Szene (alle sind von der Bühne verschwunden und jetzt mache ich mir ein Bild von der Situation) zu einem Monolog ansetzt: „Wir hatten doch gesagt, wir machen keine Monologe mehr“ führt das dazu, dass man sich, von der antrainierten Erwartung frei macht, dass jetzt einer die Bühne für sich hat. „All by myself“ singt Sebastian stattdessen.
„Perplex“ ist ein ständiger Identitätswandel – genau wie Schauspieler es täglich erleben, wenn sie jeden Abend in eine andere Rolle schlüpfen - und am Ende bleibt nicht nur die Erkenntnis, dass bei diesem Stück irgendwie kein Regisseur anwesend war, sondern auch die Frage „Aber wer hat mich den eigentlich besetzt?“ .
Weitere Infos und Trailer auf der Seite der Schaubühne.Foto: Tania Kelley
9. November 2011
Freunde der Schaubühne: Einführung in "Eugen Onegin"
Das erste Treffen der Freunde nach Venedig. Kaum zu glauben, dass es erst einen Monat her ist, seit wir im T-Shirt über den Lido gelaufen sind, denn heute hat definitiv die kalte Jahreszeit begonnen. Draußen ist es nebelig, wir versammeln uns im Café der Schaubühne für ein weiteres kleines aber feines gemeinsames Theatererlebnis. Carola Dürr (Dramaturgin) und Elena Zykova (Bühne) geben uns eine Einführung in „Eugen Onegin“.
Bei „Eugen Onegin“, den meisten von uns besser als Oper bekannt, handelt es sich eigentlich um ein Versepos von Alexander Puschkin. Der russische Nationaldichter schrieb den „Roman in Versen“, wie er seinen Text selbst nannte, zwischen 1823 und 1830.
Der lettische Regisseur Alvis Hermanis, von dem schon einige Gastspiele an der Schaubühne zu sehen waren, setzt den Text mit nur fünf Schauspielern (Robert Beyer, Eva Meckbach, Sebastian Schwarz, Tilman Strauß, Luise Wolfram) für das deutsche Publikum um. Ursprünglich kommen insgesamt ca. 100 Personen vor.
Auf der Bühne (bzw. dem Model des Bühnenbilds) wimmelt es nur so von Requisiten und es liegen zig Bücher herum. Optisch erfordert diese Inszenierung also schon mal erhöhte Aufmerksamkeit.
Modern wird diese Inszenierung bewusst nicht. Carola Dürr erklärt, dass die Kostüme im Stück, der Originalkleidung der Zeit stark nachempfunden wurden und dabei sogar darauf geachtet wurde, dass möglichst Originalstoffe verwendet werden. Die Frauen tragen Korsette. Die Männer auch. Überhaupt wird bei der Inszenierung großen Wert darauf gelegt, alles möglichst nah am Alltag der Menschen des 19. Jahrhunderts in Russland zu gestalten.
Die Premiere findet am 25. November statt. Weitere Infos zum Stück auf der Seite der Schaubühne.
27. Oktober 2011
Mit Capri-Sonne im Scout Ranzen auf Terroristenjagd: "Zack 'n' Dave" (Schaubühne)
Spaß haben nicht nur die Zuschauer, sondern offensichtlich auch die Schauspieler. Und für nur 5 Euro ist "Zack 'n' Dave" die perfekte Alternative zum Serienschmarn und CSI-Einerlei im Fernsehen.

Zack’n’Daves schwerster Fall: Seit 2001 jagte die Welt Osama bin Laden, der mit der von ihm gebauten Talibahn aus Tora Bora geflohen war. Boss Thieme wurde entführt und ist nun offenbar in der Hand der Terroristen. Der Präsident der USA setzt auf seine besten Einsatzkräfte, um den Boss nach Hause zu holen...