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8. Juni 2018

Wenn andere erzählen: Premiere "Im Herzen der Gewalt" (Schaubühne)

Für die Bühnenfassung von "Im Herzen der Gewalt" adaptierte Thomas Ostermeier gemeinsam mit Édouard Louis dessen Roman.

Sowohl der Roman als auch das Stück leben von der Gegenüberstellung und Überblendung der jeweiligen Erzählung des Protagonisten und seiner Schwester. Geschildert wird eine Nacht, in der Édouard (Laurenz Laufenberg) einen Mann, Reda (Renato Schuch), mit zu sich nach Hause nimmt. Nach einer Liebesnacht schlägt die Situation um. Reda beraubt Édouard, bedroht ihn mit einer Pistole und vergewaltigt ihn schließlich. Nach den traumatischen Erlebnissen begibt sich Édouard ins Krankenhaus und zur Polizei. Dort wie auch bei seiner Schwester Clara schildert er die Geschehnisse. Rassismus und Homophobie werden erkennbar. Der Täter ist Algerier, darauf wird alles reduziert. Èdouard wird seiner eigenen Geschichte beraubt.

Laurenz Laufenberg, Christoph Gawenda, Renato Schuch, Alina Stiegler (Foto: Arno Declair)

In der Bühnenfassung erhält die Schwester (Alina Stiegler) eine stärkere Stimme und tritt immer wieder als Figur auf, die das Verhaltens des Bruders kritisiert, ihn als zu naiv, zu eingebildet darstellt, als jemand, der aus Scham seine Herkunft verdrängen möchte. Als Gegenfigur zu dem gebildeten Aufsteiger ist sie die einfache Frau aus der nordfranzösischen Provinz, die immer wieder Zwischenbemerkungen macht, sich in die Szenen einmischt.

Die Darstellung der Gewalt beeindruckt auf der Bühne noch mehr als im Buch. Fast unerträglich die Szene zwischen Laurenz Laufenberg und Renato Schuch, in der die Vergwaltigung gezeigt wird.

Als beim Schlussapplaus der Autor selbst auf die Bühne kommt, schwankt die Stimmung zwischen Euphorie (über das gelungene Stück) und Beklemmung (weil der, der es erlebte hier ist). Tränen im Publikum, wache Diskussion unter den Zuschauern im Anschluss - ein großer Theaterabend!

Laurenz Laufenberg, Renato Schuch und Alina Stiegler (Foto: Arno Declair)


Regie: Thomas Ostermeier   
Mitarbeit Regie: David Stöhr   
Bühne und Kostüme: Nina Wetzel   
Musik: Nils Ostendorf   
Video: Sébastien Dupouey   
Dramaturgie: Florian Borchmeyer   
Licht: Michael Wetzel   
Mitarbeit Choreographie: Johanna Lemke   

Mit: Christoph Gawenda, Laurenz Laufenberg, Renato Schuch, Alina Stiegler   
Musiker: Thomas Witte

Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen

6. Dezember 2017

Rückblick Oktober & November 2017: Eine Welt im Theater, ein Theater in der Welt

Mir fällt auf, dass der Oktober fast ausschließlich im Zeichen des Feminismus stand und gleichzeitig ein Vorbote auf die Themen im November war: Weltpolitik, Globalisierung, Demokratie.


OKTOBER

1.10.2017 Es sagt mir nichts das sogenannte draußen von Sibylle Berg (Maxim Gorki Theater)

Vier Schauspielerinnen spielen eine Frau – typische (?) Mitzwanzigerin, aber kein role models, wie sie selbst sagt. Keine Lust auf Zumba? Aber auch andere sagen, dass sie sich damit total gut fühlen („den Körper spüren“). Was ist so schlimm daran, zu Hause zu bleiben? Die Versprechungen der Party erfüllen sich ja doch nicht. Schließlich muss sie auf dem Laufenden bleiben, was die Liebes-Ent-und Verwicklungen des Schwarms angeht – das Handy immer am Start (nur mal kurz in die Nachricht gucken). Die Anrufe der Mutter, die wissen will, was sie so für die Zukunft geplant hat, stören da eigentlich auch nur. Lieber Typen verprügeln. Sibylle Berg hat einen Tex für vier Schauspielerinnen des Maxim Gorki Theaters geschrieben - und die sind vor allem eins: wütend - aber dabei auch unglaublich komisch. Sie zeigt, wie Frauenbilder von der Medien und der Werbung produziert werden. Körperkult und Fitnesswahn, Shoppingexzesse zwischen den BWL-Vorlesungen und der Vertrieb von selbstsynthetisierten Drogen über das Internet - wie soll Frau da wissen, wie sie leben soll?  

Vier Frauen auf der Suche nach dem richtigen Leben: Rahel Jankowski, Cynthia Micas, Suna Gürler, Nora Abdel-Maksoud (Foto: Thomas Aurin)

Das Stück wurde von der Fachzeitschrift „Theater Heute“ zum deutschsprachigen Stück des Jahres 2014 gewählt.

Text: Sibylle Berg
Regie: Sebastian Nübling
Choreografie: Tabea Martin
Bühnenbild: Magda Willi
Kostüme: Ursula Leuenberger und Moïra Gilliéron
Mit: Nora Abdel-Maksoud, Cynthia Micas, Suna Gürler, Rahel Jankowski


5.10.2017 revisited thisisitgirl von Patrick Wengenroth (Schaubühne)

Das war mein sechster Besuch dieser Inszenierungen. Es gibt aber auch immer noch Freund*innen, die dieses tolle Stück noch nicht gesehen haben. Hier noch mal ein Link zu meinem Bericht aus 2015.


19.10.2017 PREMIERE LENIN von Milo Rau (Schaubühne)

Nach der Oktoberrevolution 1917 kämpft Lenin (Ursina Lardi) in seinem Landhaus mit seinem körperlichen Verfall, mehrere Schlaganfälle führen dazu, dass er auf die Hilfe seiner Familie und Freund*innen angewiesen ist. Dieses Setting wählt Milo Rau für sein Stück. Und sein Nachfolger und Gegenspieler Stalin (Damir Avdic) wird immer stärker. Der Autor-Regissuer und das Ensemble der Schaubühne blicken auf die zentralen Charaktere der wohl folgenreichsten Revolution der Menschheitsgeschichte. Aufbruch und Apathie, Revolutionssehnsucht und reaktionäre Widerstände, ein Labyrinth der Hoffnungen und Ängste, der politischen Ideale und kollektiven Gewalterfahrung. Düster und beklemmend sieht man auf der Bühne und parallel per Video, was nicht aufzuhalten ist. Ein "Gruselfilm in historischen Kostümen" hat Milo Rau sein Inszenierung genannt. Die Schauspieler*innen verwandeln sich immer mehr in ihre Figuren, sie ziehen sich auf der Bühne um und erhalten ihre Masken. Auch wenn diese Inszenierung sich von den letzten Arbeiten Raus unterscheidet, ist hier doch das Re-Enactment zu erkennen. Während am Anfang noch alle deutsche sprechen, ist zum Schluss fast nur noch russisch zu hören.

Damir Avdic, Ursina Lardi, Jakov Ahrens (Foto: Thomas Aurin)

Essay zum Stück in Pearson's Preview: Schöpferische Unruhe: Milo Raus »LENIN«

Regie: Milo Rau   
Bühne und Kostüme: Anton Lukas, Silvie Naunheim   
Video: Kevin Graber   
Dramaturgie: Stefan Bläske, Florian Borchmeyer, Nils Haarmann   

Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin: Ursina Lardi   
Nadeschda Konstantinowna Krupskaja: Nina Kunzendorf   
Lew Dawidowitsch Bronstein, genannt Leo Trotzki: Felix Römer   
Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin: Damir Avdic   
Anatoli Wassiljewitsch Lunatscharski: Ulrich Hoppe   
Fjodor Alexandrowitsch Guetier: Kay Bartholomäus Schulze   
Pjotr Petrowitsch Pakaln: Lukas Turtur   
Lydia Alexandrowna Koschkina: Iris Becher   
Sapogow: Konrad Singer   
Feiga Shabat: Veronika Bachfischer   
Kinder: Jakov und Sophia Ahrens / Georg Arms und Lia Vinogradova / Benjamin und Mirjam Wachsmuth
Live-Kamera: Florian Baumgarten, Moritz von Dungern, Matthias Schoebe

Dauer: ca. 120 Minuten


23.10.17 Feminista, Baby! (Deutsches Theater)
nach dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas

1968 schoss Valerie Solanas auf Andy Warhol, verletze ihn lebensgefährlich. Jahre später verstarb der Künstler an den Spätfolgen dieses Attentats. Als Solanas nach den Gründen für die Tat gefragt wurde, verwies sie auf ihr Manifest: SCUM. Bedeutung? Abschaum. Aber auch Society for cutting up men. Auch: Eine Selbstbezeichnung einer weiblichen, zukünftigen Elite, "dominierenden, sicheren, selbstvertrauenden, widerlichen, gewalttätigen, eigensüchtigen, unabhängigen, stolzen, sensationshungrigen, frei rotierenden, arroganten Frauen, die sich imstande fühlen, das Universum zu regieren."

Den feministischen Text von Valerie Solanas, der voller Witz und Furor steckt, hat Jürgen Kuttner mit drei Schauspielern (Bernd Moss, Markwart Müller-Elmau, Jörg Pose) im Deutschen Theater auf die Bühne gebracht. Ein feministisches Manifest gespielt von drei Männern - funktioniert das?

Zu Beginn des Stückes ziehen sich die drei Marilyn-Monroe-Kleider und -Perücken an und schminken sich. Und dann geht es los. Kuttner hat sich wohl dafür entschieden, die Texte von Solanas von Männern sprechen zu lassen, weil sie somit an Schärfe verlieren und koödiantischer wirken. Das ist keine schlechte Idee. Aber trotzdem denke ich die ganze Zeit: Wie wäre es, wenn das jetzt eine Frau sagen würde. Am Ender legen die Schauspieler die Frauenkleider wieder ab und steigen in ihre Männerklamotten. Alles nur ein Spiel. Alles nicht ganz ernst?

Kuttner selbst spielt auch mit: Prototyp des Machos und deswegen schwer erträglich. Diese plakative Vorstellung braucht es für mich nicht, ärgert eigentlich nur. Solanas Text reicht doch.

Das Beste an dem Abend sind die Songs von Christiane Rösinger, die einzig wahre Feministin des Abends.

Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Daniela Selig
Musik: Christiane Rösinger, Andreas Spechtl

Jürgen Kuttner, Bernd Moss, Markwart Müller-Elmau, Jörg Pose
Live-Musik: Christiane Rösinger, Andreas Spechtl, Ramin Bijan
Live-Kamera: Marlene Blumert, Bernadette Knoller


30.10.17 Die Entführung Europas (Berliner Ensemble)
Ein Crime Noir von Alexander Eisenach

...oder der seltsame Fall vom Verschwinden einer Zukunft.

Der Privatdetektiv Max Messer (Alter Ego von Heiner Müller) wird beauftragt, die verschwundene Europa ausfindig zu machen. Tipps erhält er vom Börsenspekulaten Teiresias. Nach einer durchzechten Nacht befindet er sich im Kongo, verwirrt und ohne eine Ahnung, welche Zeit gerade herrscht. Autor und Regisseur Alexander Eisenach nimmt ein Hörspiel von Heiner Müller als Vorlage für sein Stück, um zentrale Fragen unserer Gegenwart zu stellen: Kann Europa, das noch vor wenigen Jahren ein Versprechen schien, neues Leben eingehaucht werden? Oder wird unser auch kulturell vielfältiger Kontinent unter der Vorherrschaft des ökonomischen Paradigmas weiter an Attraktivität einbüßen?

Regie: Alexander Eisenach
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Lena Schmid , Pia Dederichs
Musik: Sven Michelson
Video: Mareike Trillhaas
Dramaturgie: Frank Raddatz

Max Messer: Christian Kuchenbuch
Grace / Europa: Stephanie Eidt
Margaret: Kathrin Wehlisch
Jupiter Kingsby: Peter Moltzen
Teiresias: Laurence Rupp



NOVEMBER

01.11.17 General Assembly: Was ist globaler Realismus? - Diskussion mit Harald Welzer und Milo Rau (Schaubühne)

Moderation: Doris Akrap (taz)

Als Auftakt zur General Assembly und anlässlich des Erscheinens des Buches »Wiederholung und Ekstase« wurde im Rahmen dieser Diskussionsrunde der Versuch unternommen, die Hintergründe für soziale und politische Ungerechtigkeit im 21. Jahrhundert, zu erklären. Dabei wurden folgende Fragen angeschnitten: Was sind die Aufgaben und Grenzen eines Weltparlaments im Zeitalter von globalem Kapitalismus, Klimawandel und Massenmigration?

In Kooperation mit FuturZwei, Diaphanes Verlag und taz.die tageszeitung.

03.-5.11.2017 General Assembly: Plenarsitzungen (Schaubühne)

07.11.17 General Assembly: Sturm auf den Reichstag (Schaubühne)

Einen ausführlichen Bericht zu den Sitzungen der General Assembly und dem Sturm auf den Reichstag habe ich bereits veröffentlicht. 


18.11.2017 revisitd Bella Figura von Yasmina Reza (Schaubühne)

Eine Freundin hat sich gewünscht, dieses Stück (Regie: Thomas Ostermeier), deren Rollen Reza auf die Schauspieler*innen zugeschnitten hat, zu sehen. Also habe ich es nach gut zweieinhalb Jahren noch mal angeschaut. Es kratzt ja immer etwas an der Boulevard Komödie, ist es aber dank seiner Dialoge dann eben doch nicht. Natürlich ist das eingespielte Duo Hoss-Waschke sowie das übrige Ensemble weit davon entfernt Boulevard zu sein. Die Anleihen sind vielleicht gewollt? Neben mir die Freundin kommentiert: Das ist wie bei uns zu Hause! Wie viele im Publikum denken das auch? Und wieder bin ich entzückt von der perfekten Auswahl der Kostüme (Florence von Gerkan).

Die Fassade bröckelt: Renato Schuch, Lore Stefanek, Nina, Hoss, Mark Waschke und Stephanie Eidt (Foto: Arno Declair)


21.11.17 Filmvorführung & Diskussion: Ein Volksfeind unterwegs (Freunde der Schaubühne e.V.)

Es passt, dass der Volksfeind-Film, der von den weltweiten Gastpielen der Schaubühne mit der Inszenierung "Ein Volksfeind" von Thomas Ostermeier, handelt, die weltpolitischen Themen, die in der General Assembly verhandelt wurden, beinhaltet. Für die Freund*innen der Schaubühne wurde die zweistündige Dokumentation über die Aufführungen der Inszenierung in Instanbul, London, Moskau, Torun, Seoul, Dehli, Santiago de Chile u.a. Städten exklusiv gezeigt. Die Filmemacher Matthias Schellenberg und Andreas Nickel waren anwesend und standen im Anschluss für eine Diskussion mit den Freundekreismitgliedern zur Verfügung.

Bisher ist noch nicht sicher, in welchem Rahmen, der Film noch einmal gezeigt wird. Interessierte können sich aber in der Mediathek der Schaubühne Ausschnitte ansehen.

3. Oktober 2017

Rückblick September 2017: Spielzeitbeginn - Fritsch erstmals auf der Schaubühne - "Rückkehr nach Reims" jetzt auch in der deutschen Fassung

Die theaterfreie Zeit ist vorbei - die Spielzeit 2017/18 hat begonnen. Und hier kommt der erste Monatsrückblick.


08.09.2017 Gastspiel Acceso von Roberto Farías und Pablo Larraín (Schaubühne)

Dieses Ein-Mann-Stück von Roberto Farías und Pablo Larraín wurde im Rahmen des Festival Internationale Neue Dramatik (FIND) 2017 erstmals an der Schaubühne gezeigt. Aufgrund der großen Nachfrage lud die Schaubühne die Produktion aus Chile noch einmal für drei Vorstellungen ein. Beim zweiten mal war es nicht weniger berührend und nachhaltig beeindruckend.

Hier habe ich während des FIND 2017 darüber berichtet.

"Acceso" von Roberto Farías und Pablo Larraín, Regie: Pablo Larraín (Foto: Sergio Armstrong)


17.09.2017 Brunch der Freunde der Schaubühne e.V.

Mittlerweile können wir über 1.000 Mitglieder verzeichnen. Kein Wunder also, dass bei unserem diesjähringen Brunch zur Spielzeiteröffnung über 120 Freundinnen und Freunde anwesend waren. Wer Interesse an einer Mitgliedschaft hat, findet hier entsprechende Infos. Wir bieten neben Künstler*innen-Treffen auch Führungen hinter die Kulissen, Reisen und gemeinsame Feiern an. Mit unseren Mitteln fördern wir diverse Projekte der Schaubühne.


19.09.2017 PREMIERE Zeppelin von Herbert Fritsch frei nach Texten von Ödön von Horvàth  (Schaubühne)

Es ist soweit. Herbert Fritsch ist mit seinen Schauspieler*innen (Florian Anderer, Werner Eng, Bastian Reiber, Ruth Rosenfeld, Carol Schuler, Axel Wandtke) und dem Musiker Ingo Günther an der Schaubühne angekommen. Für seine erste Produktion holt er sich Jule Böwe und Alina Stiegler aus dem bisherigen Ensemble dazu. In Zeppelin bedient sich Fritsch diverser Texte von Horváth und mischt diese fröhlich durcheinander. Der Satz "Irgendwann werden sie das alles verstehen" ist fast schon Programm und natürlich auch sehr selbtreferenziell ironisch. Denn Fritsch geht es gar nicht darum, dass alles immer einen Sinn ergibt. Was zählt ist die Freude an den Worten, die von der Fritsch-Truppe gesprochen, gerufen, gesungen werden. Große Augen, Grimassen, turnerische Darbietung. Sie hängen, klammern und klettern im Zeppelin. Immer wieder der Balanceakt auf, in und unter dem Ding, das über der Bühne schwebt. Da zeigt sich wahre Körperbeherrschung und Können. Der Zeppelin ist dabei allerdings nur ein Gerüst bzw. das Skelett eines Luftschiffs und scheint mal leicht, mal schwer. Ein Gerippe, ein Käfig, Schutz und Bedrohung zugleich. Auch diese Produktion ist wie alle Stücke von Fritsch vor allem Augen- und Ohrenweide - Hauptsache die Zuschauer*innen haben Spaß. Einer der Höhepunkte: Am Ende stehen sie auf den Sprossen im Zeppelin, es pendelt gefühlte zehn Minuten aus. Geklatscht werden darf erst, wenn es still steht. Das muss man aushalten da unten im Zuschauerraum.

Balanceakt im Zeppelin: Florian Anderer, Ruth Rosenfeld, Bastian Reiber, Jule Böwe, Carol Schuler, Axel Wandtke, Alina Stiegler (Foto: Thomas Aurin)

Regie und Bühne: Herbert Fritsch   
Kostüme: Victoria Behr   
Musik: Ingo Günther   
Dramaturgie: Bettina Ehrlich   
Licht: Torsten König   

Mit: Florian Anderer, Jule Böwe, Werner Eng, Ingo Günther, Bastian Reiber, Ruth Rosenfeld, Carol Schuler, Alina Stiegler, Axel Wandtke 

Essay zum Stück in Pearson's Preview:  »Kein Piña Colada«. Herbert Fritsch, Volksbühnen-Vertriebene und ein riesiges Luftschiff


24.09. PREMIERE Rückkehr nach Reims nach Didier Eribon in einer Fassung der Schaubühne
Regie: Thomas Ostermeier

Nach der Uraufführung in englischer Sprache beim Manchester International Festival (MIF) im Juli - hier habe ich darüber berichtet - folgte nun die deutschsprachige Erstaufführung von "Rückkehr nach Reims" nach dem Buch von Didier Eribon. Die Premiere wurde extra auf den Sonntag der Bundestagswahl gelegt, um (wie Ostermeier in verschiedenen Interviews erklärte), sich damit auseinandersetzen zu müssen, warum es die SPD wieder nicht geschafft habe. Wie wir mittlerweile wissen, ist das Ergebnis für sie so schlecht wie nie ausgefallen. Dafür konnte die AfD erschreckend viele Wähler*innen gewinnen.

Die Rollen von Bush Moukarzel und Ali Gadema übernehmen in der deutschen Fassung Hans-Jochen Wagner und Renato Schuch. Für mich hat das Stück in meiner Muttersprache und durch die unterschiedliche Besetzung eine andere Stimmung erhalten. Insbesonder die Rolle des Regisseurs (Wagner) bekommt einen anderen Aspekt. Während Bush Moukarzel witziger oder ironischer wirkt, kommt H.-J. Wagner arroganter rüber. Nina Hoss' langer, ruhiger Bericht über das Leben ihres Vaters Willi Hoss wirkt auf mich in der deutschen Fassung weniger "angeheftet". Auch wenn Nina Hoss im ersten Teil des Stücks noch die Schauspielerin Katrin ist und erst im letzten Drittel sie selbst wird, ist sie für mich doch immer Nina Hoss. Und in H.-J. Wagner erkennte man Thomas Ostermeier zumindest optisch, denn er trägt Hose, Pullover und Reebok-Turnschuhe, die quasi zu Ostermeiers Signature Look gehören.

Nina Hoss als Katrin und Hans-Jochen Wagner als Regisseur diskutieren (Foto: Arno Declair)


Im November wird "Rückkehr nach Reims" / "Returning to Reims" auch fünf mal in der englischen Originalbesetzung gezeigt:
22. und 25.-28.11.2017 (hierfür sind noch Tickets erhältlich).

Regie: Thomas Ostermeier   
Bühne und Kostüme: Nina Wetzel   
Film: Sébastien Dupouey, Thomas Ostermeier   
Kamera: Markus Lenz, Sébastien Dupouey   
Ton: Peter Carstens
Musik: Nils Ostendorf   
Sounddesign: Jochen Jezussek
Dramaturgie: Florian Borchmeyer, Maja Zade   
Licht: Erich Schneider   

Mit: Nina Hoss   
Mit: Bush Moukarzel / Hans-Jochen Wagner   
Mit: Ali Gadema / Renato Schuch

13. Juli 2017

Reise zurück, Blick nach vorn: Premiere von "Returning to Reims" in Manchester (MIF / Schaubühne)

Nina Hoss in "Returning to Reims" (Foto: Arno Declair)


Zur Uraufführung von „Rückkehr nach Reims/Returning to Reims“ sind wir nach Manchester gereist. Thomas Ostermeier hat den Bestseller des französischen Soziologen Didier Eribon auf die Bühne gebracht. Im Rahmen des Manchester International Festival (MIF) hatte das Stück am 8. Juli 2017 im HOME (Centre for contemporary theatre, film, art, music) Premiere.


Eine Hommage an den Text von Eribon.

In Interviews hatte Ostermeier erklärt, er habe beim Lesen des Romans immer wieder Parallelen zu seiner eigenen Kindheit und Jugend entdeckt (siehe u.a. Programmheft des MIF zum Stück). In seinem Buch beschreibt Eribon die Arbeiterklasse, aus der er stammt, die schwierigen sozialen Verhältnisse, einen homophoben Vater, sein Loslösung vom Elternhaus und Milieu, den Umzug in die Großstadt und ein intellektuelles Umfeld und wie die ehemals links wählenden Eltern zu Wähler*innen von Marine Le Pens Front National wurden.


Programmheft des MIF zu "Returning to Reims"


Im Stück wird die Reise nach Reims (Eribon kehrt nach dem Tod seines Vaters das erste mal seit seiner Jugend wieder in seine Heimatstadt zurück) durch einen Dokumentarfilm nachgestellt. Nina Hoss spielt eine Schauspielerin, die dazu den Text aus dem Buch einliest. Sie unterbricht ihre Lesung dabei immer wieder, um mit dem Regisseur des Films, gespielt von Bush Moukarzel (künstlerischer Leiter von Dead Centre, deren Produktionen beim FIND 2016 und 2017 zu sehen waren) zu diskutieren, wie man diese Reise in Bildern am besten nachzeichnen kann, welche angebracht sind und passen, welche nicht. Schließlich bringt sie ihre eigene Geschichte bzw. die ihres Vaters ein, der ursprünglich Kommunist war, später die Grünen mitbegründete und am Ende im Amazonas gearbeitet hat. Somit wird dem Bild, das Eribon von seiner Familie und seinem Aufwachsen zeichnet, ein weiterer möglicher Weg entgegengesetzt - man hat die Wahl.

Die Inszenierung lebt vom Text Eribons und dem klaren ruhigen Vortrag von Nina Hoss. Und von den Bildern des Films (Sébastien Dupouey) eine Mischung aus Dokumentation der Reise sowie historischen und aktuellen Bildern aus Frankreich, England und Deutschland. Die Unterbrechungen, in denen Bush Moukarzel und Ali Gadema (als Angestellter des Tonstudios)  - übrigens ein in Manchester bekannter Rapper und Word Artist - ihre Auftritte haben sind witzig und helfen der*m Zuschauer*in, selbst eine Zäsur zu machen und Text und Bilder zu verarbeiten.


Bush Moukarzel und Nina Hoss in "Returning to Reims" (Foto: Arno Declair)


Es ist wenig „Theater“, eher dokumentarisches Essay und für diejenigen, die den Text von Eribon kennen, weil sie ihn bereits gelesen haben, eine Nacherzählung in Bildern mit Kommentar."Wir sind ja hier nicht im Theater", weist der Regisseur die Schauspielerin zurecht. Genau! Für alle, die sich gefragt haben, wie Ostermeier den Roman dramatisiert, ist das die Antwort: Er macht es einfach nicht.

Die Deutschlandpremiere von „Rückkehr nach Reims“ mit Nina Hoss sowie Hans-Jochen Wagner und Renato Schuch wird am 24. September an der Schaubühne stattfinden, am Tag der Bundestagswahl 2017. Dies sei Absicht, erklärte Ostermeier in einem Deutschlandfunk Interview (vom 8.7.2017). Somit müsse man sich, nachdem die ersten Hochrechnungen feststünden, mit der Frage auseinandersetzen, warum Schulz es nicht geschafft habe. Der Abend befasst sich auch historisch mit der Politik und den unterschiedlichen sozialdemokratischen Regierungen der letzten 30 Jahre. Ein Ergebnis werden wir an diesem Tag sehen – im Theater sowie im Realen.

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Koproduktion mit dem Manchester International Festival MIF, HOME Manchester und dem Théâtre de la Ville Paris. Gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin.

Regie: Thomas Ostermeier   
Bühne und Kostüme: Nina Wetzel   
Film: Sébastien Dupouey, Thomas Ostermeier   
Kamera: Markus Lenz, Sébastien Dupouey   
Ton: Peter Carstens
Musik: Nils Ostendorf   
Sounddesign: Jochen Jezussek
Dramaturgie: Florian Borchmeyer, Maja Zade   
Licht: Erich Schneider   

Mit: Nina Hoss   
Mit: Bush Moukarzel / Hans-Jochen Wagner   
Mit: Ali Gadema / Renato Schuch 


Premiere in Manchester: 8. Juli 2017
Premiere in Berlin: 24. September 2017

Weitere Infos auf der Seite der Schaubühne.

26. März 2017

Rückblick Februar & März 2017: Über Schuld, Kunst und Karrieristen

Auch wenn der Februar natürlich vor allem von der Berlinale bestimmt wurde, blieb immer etwas Zeit fürs Theater. Und weil Ende März schon wieder das FIND (Festival Internationale Neue Dramatik an der Schaubühne am Lehniner Platz - 30.3. bis 9.4.) beginnt und ich hierfür eigene Beiträge geplant habe, fasse ich die letzten beiden Moante in einem Artikel zusamen.


FEBRUAR
01.02.17 Interrobang: Der Prozess 2.0 (Sophiensäle)
Ein Schuldlabyrinth nach Kafka. Theater zum Mitmachen. Mitmachen müssen, können, sollen. Nach dem Betreten des Parcours, müssen die Zuschauer*innen (=Teilnehmer*innen) dieses Theaterprojekts sich ihren persönlichen Ordner abholen, verschiedene Fragen beantworten, Aufgaben erledigen und sich entscheiden, welchen persönlichen Weg sie gehen wollen. All das wird von einem Gericht ausgewertet und in einer Verhandlung für und gegen einen vorgetragen. Das sogenannte "Innere Gericht" verurteilt zunächst noch präzise und detalliert, später im Sammel- und noch später im Eilverfahren jede*n zum Handeln. Dabei spielt es für das Gericht gar keine Rolle mehr, was wirklich hinter den Antworten steckt und (scheinbar) willkürlich werden einzelne Sätze oder Aussagen aus der Akte gegen eine*n verwendet. Eine Mischung aus "Bloß nicht meinen Fall verhandeln" und "Warum nicht meine Akte? Bin ich etwas so langweilig?" macht sich breit. Und was dabei verdächtig im Raum schwebt, ist die Tatsache, dass es egal ist, wie man sich verhält oder was man denkt, alles kann gegen mich verwendet werden. Die Zusammenhänge sind gleichgültig. Und wie Josef K. in Kafkas Prozess, hege ich den Verdacht, dass an dem, was das Gericht da gegen mich vorbingt, vielleicht etwas dran sein könnte...
Interrobang schafft es, die gegenwartsrelevanten Motive aus Kafkas Klassiker in ein instellatives Stück zu packen und die Zuschauer*innen dabei ordentlich aufzurütteln.

Von und mit Till Müller-Klug, Nina Tecklenburg, Lajos Talamonti, Elisabeth Lindig


02.02.17 Zeit der Kannibalen von Johannes Naber nach dem Drehbuch von Stefan Weigl (Vagantenbühne)
Sollte man einen Film einfach so nachspielen? Die Verfilmung mit Katharina Schüttler, Sebastian Blomberg und Devid Striesow ist großartig - keine Frage. Die kammerspielartige Kapitalismus-Kritik mit dem bösen Humor und der Darstellung der Busninessmenschen, deren Welt in nur wenigen Stunden ins Wanken gerät, bietet sich auch fürs Theater an. Dennoch habe ich von dieser Inszenierung  etwas Neues erwartet. Allerdings ist für diejenigen, die den Film nicht kennen, die Bühnenadaption sicher sehr lohnenswert. Meine Empfehlung: Hingehen sollte, wer den Film nicht kennt.

Regie: Bettina Rehm

Mit Björn Bonn, Johann Fohl, Senita Huskić, Hannah von Peinen, Joachim Villegas und Axel Strothmann


03.02.17 Love Hurts In Tinder Times von Patrick Wengenroth (Schaubühne)
Gleich mal vornweg: Mit Tinder hat das Stück (zum Glück) gar nicht so viel zu tun. Tinder Times steht viel mehr für diese Zeit, in der viele nach neuen Wegen des Zusammenlebens und von Liebesbeziehungen suchen. Kann ich einen exklusiven Anspruch auch eine*n Partner*in erheben? Warum schmerzt es den*die andere*n, wenn man sich außerhalb der Beziehung Befriedigung und Bestätigung sucht? Und: Ist es nicht immer ganz anders als es aussieht? Garniert wird dieser Wengenroth-Abend (wie immer) mit viel Musik, diesmal vorrangig aus den 80ern. Und so findet auch der kürzlich verstorbene George Michael seinen Platz im Stück. Die sich nackt in Farbe wälzenden und Kunst machenden Protagonist*innen (Mark Waschke, Lise Risom Olsen, Andreas Schroeders) sehe ich weniger als Provokation, denn als humorvolle gedachte Anspielung auf Performance Künstler und vielleicht sogar das Theater selbst.

Realisation: Patrick Wengenroth   
Bühne: Mascha Mazur   
Künstlerische Mitarbeit Bühne: Céline Demars   
Kostüme: Ulrike Gutbrod   
Musik: Matze Kloppe  

Mit Matze Kloppe, Lise Risom Olsen, Andreas Schröders, Mark Waschke, Patrick Wengenroth

Andreas Schröders, Mark Waschke, Lise Risom Olsen (Foto: Gianmarco Bresadola)


Essay zum Stück in Pearson's Preview: LOVE HURTS IN TINDER TIMES. Ein Gespräch mit Patrick Wengenroth


12.02.17    revisited Hedda Gabler von Henrik Ibsen (Schaubühne)
Nach vielen Jahren mal wieder dieses Stück. Die Angst vor dem sozialen Abstieg, jede*r kennt sie und erkennte sich in dem Stück wieder. Man kann Hedda (Katharina Schüttler) und ihr Handeln gleichzeitig verabscheuen und bemitleiden. Und wie steht es um ihren Mann Jorgen Tesmann (Lars Eidinger) und den um seine Arbeit betrogenen Eilert Lovborg (Kay Bartholomäus Schulze)? Das Besondere an dem Stück ist, dass man keine*n so richtig mag oder hasst. Zerissen, betroffen, gerührt verlässt man das Theater.

Lore Stefanek, Katharina Schüttler, Lars Eidinger (Foto: Arno Declair)

Regie: Thomas Ostermeier   
Bühne: Jan Pappelbaum   
Kostüme: Nina Wetzel   
Musik: Malte Beckenbach   
Dramaturgie: Marius von Mayenburg   
Video: Sébastien Dupouey   

Jørgen Tesman, Privatdozent der Kulturgeschichte: Lars Eidinger   
Frau Hedda Tesman, seine Frau: Katharina Schüttler   
Fräulein Juliane Tesman, seine Tante: Lore Stefanek   
Frau Elvstedt: Annedore Bauer   
Richter Brack: Jörg Hartmann   
Eilert Løvborg: Kay Bartholomäus Schulze
 


MÄRZ
04.03.17 Denial von Yael Ronnen (Maxim-Gorki-Theater)
Das Stück über Verleugnung und Verdrängung wurde von Yael Ronen gemeinsam mit den Schauspieler*innen entwickelt. In verschiedenen Konstellationen zeigen sie, was es bedeutet, wenn man versucht, die Realität zu verarbeiten, zurechtzubiegen oder einfach zu verstehen. Coming out, Intoleranz und Gewalt in der eigenen Familie, politische Verfolgung und andere traumatische Erlebnisse werden in kurzen Szenen aufgearbeitet bzw. dargestellt. Wie immer bei Yael Ronen wechseln sehr traurige und berührende Geschehnisse mit witzigen Einschüben. Und nie weiß man - auch das ist typisch für ihre Stücke - was aus den Biographien der Schauspieler*innen stammt und was Fiktion ist.

Regie: Yael Ronen
Bühnenbild: Magda Willi
Kostüme: Amit Epstein
Musik: Nils Ostendorf
Video: Hanna Slak

Mit Oscar Olivo, Dimitri Schad, Cigdem Teke, Maryam Zaree und Orit Nahmias.


23.03.17 re-revisited Stück Plastik (Schaubühne)
Darf man Geld rumliegen lassen, wenn die Putzhilfe da ist? Ist Michael, der für Ärzte ohne Grenzen nach Afrika gehen will, ein Egoist? Warum hat Ulrike als Künstlerin versagt?  Und ist Sohn Vincent ein Junge oder ein Mädchen? Diese und viele, viele andere Fragen werden im Stück verhandelt, vielmehr wird darüber gestritten. Das eigentlich interessante ist aber auch, dass die Person, die den Streitimpuls gibt, überhaupt nichts zur Debatte beitragen kann, weil sie einfach nicht zu Wort kommt. Sie drückt sich im Gesang aus, im Gespräch mit dem 12jährigen Sohn der Familie, für die sie putzt und übt Rache. Dialoggewaltiges und äußerst lustiges Stück über richtiges und falsches Verhalten, kommunizieren und zuhören. Stück Plastik von Marius von Mayenburg schrammt manchmal knapp an einer Boulevard-Komödie vorbei und ist deswegen gerade so gut. Die zahlreichen Anspielungen auf die Kunstwelt und das eigene Milieu mit den zackigen Monologen (die von den brillanten Schauspieler*innen einfach mitreißend gespielt werden) machen die Inszenierung zu einer Perle im Spielplan.

Mit Marie Burchard, Robert Beyer, Laurenz Laufenberg, Sebastian Schwarz und Jenny König.
Regie: Marius von Mayenburg


25.03.17 re-visited Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler (Schaubühne)
Spannend wie beim ersten mal. Die Aktualität dieses Stückes ist so groß, dass bei fast jeder Szene der Puls hoch geht. Wie in der Sitzungszene die Intrige gegen Professor Bernhardi entsponnen wird - da muss man sich empören. Aber es gibt in dieser Inszenierung nicht immer ein klares Gut und Böse, Richtig oder Falsch. Keine unverfälschten Sympathien. Und das lässt einen noch lange über den Abend hinaus nachdenken.


Damir Avdic, Laurenz Laufenberg, Veronika Bachfischer, Jörg Hartmann (Foto: Arno Declair)

Regie: Thomas Ostermeier   
Bühne: Jan Pappelbaum   
Kostüme: Nina Wetzel   
Musik: Malte Beckenbach   
Wandzeichnungen: Katharina Ziemke

Dr. Bernhardi: Jörg Hartmann   
Dr. Ebenwald: Sebastian Schwarz   
Dr. Cyprian: Thomas Bading   
Dr. Pflugfelder: Robert Beyer   
Dr. Filitz: Konrad Singer   
Dr. Tugendvetter: Johannes Flaschberger   
Dr. Löwenstein: Lukas Turtur   
Dr. Schreimann/Kulka, ein Journalist: David Ruland   
Dr. Adler: Eva Meckbach   
Dr. Oskar Bernhardi: Damir Avdic   
Dr. Wenger/Krankenschwester: Veronika Bachfischer   
Hochroitzpointner: Moritz Gottwald   
Professor Dr. Flint: Hans-Jochen Wagner   
Ministerialrat Dr. Winkler: Christoph Gawenda   
Franz Reder, Pfarrer: Laurenz Laufenberg   

31. Dezember 2016

Rückblick Dezember 2016: Ein Jahr hinterlässt seine Spuren

Nach diesem Jahr, das viele so schnell wie möglich hinter sich lassen wollen, hat das Theater im Dezember einmal mehr gezeigt, dass es gut ist, inne zu halten, durchzuatmen, sich zu beruhigen und Hass, Angst und Restiments etwas entgegenzusetzen.


03.12.16 PREMIERE Dantons Tod (Schaubühne)
Jedes Jahr gibt Peter Kleinert Schauspielstudent*innen der Ernst Busch Hochschule die Möglichkeit, ihr Können und Erlerntes an einer großen Bühne zu zeigen. Die jungen Schauspieler*innen haben sich in diesem Jahr für Büchners "Dantons Tod" entschieden. Aufgrund der komplexen geschichtlichen Hintergründe kein leichter Stoff. Im Vergleich zu den Ernst-Busch-Inszenierungen an der Schaubühne der letzten drei Jahre fällt das Ergebnis leider etwas ab. Positiv aufgefallen ist Daniel Mühe (in der Rolle des Camilles) und Vincent Redetzki (als Philipeau). Letzterer ist an der Schaubühne kein Unbekannter, da er hier schon - teilweise noch als Kind - für drei Stücke von Falk Richter auf der Bühne stand (aktuell noch in TRUST). Diese Routine merkt man seiner Spielweise an.

Daniel Mühe, Monika Freinberger, Lukas T. Sperber, Lola Fuchs, Gustav Schmidt (Foto: Gianmarco Bresadola)


10.12.16 PREMIERE On Off der WG Schaubühne
Die Werkstattgruppe der Schaubühne unter der Leitung von Katharina Berger bietet Laien die Möglichkeit, sich auf der Bühne auszuprobieren. In der Produktion "On Off" beschäftigten sie sich humorvoll mit der Generation Smartphone und einem von Maschinen bestimmten Leben. Beeindruckend die Performance (Choereographische Mitarbeit: Johanna Berger) zu Beginn des Stücks, die ein bisschen an Charlie Chaplins "Moderne Zeiten" erinnert. Die ersten 20 Minuten konnten die Zuschauer*innen diese beeindruckende Darbietung durch eine Glasfront vor dem Studio der Schaubühne sehen, begleitet von der Musik des DJs Lukas Zepf.

Menschen wie Maschinen (Foto: Maren Vergiels)
 
12.12.16 Streit ums Politische: Europe, what can it teach us? (Schaubühne)
Heinz Bude sprach mit Nikita Dhawan, Professorin für Politische Theorie mit thematischer Akzentuierung im Feld der Frauen- und Geschlechterforschung, über das postkoloniale Europa und das Begehren Europas, die Welt zu zivilisieren.


17.12.16 PREMIERE Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler / Fassung von Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer (Schaubühne)
Ich möchte fast sagen, das dies eines der besten Theatererlebnisse des Jahres war. Daher habe ich vor, zu Professor Bernhardi noch einen eigenen Beitrag zu erstellen. Nur so viel: Tolles Stück und so aktuell, denn es geht um strukturelle Rassismen. Und spannend - ich habe sehr gebannt geschaut und gehört. Dies alles ist nicht nur der großartigen Inszenierung zu verdanken sondern vor allem auch den brillanten Schauspieler*innen. Das Timing bei den Dialogen ist auf den Punkt und einfach jeder*m ist perfekt in ihrer*seiner Rolle. Dazu kommt das Bühnenbild (fast ganz in weiß) mit den von Katharina Ziemke mit einem Wachsstift an die Wand geschriebenen Ortsbezeichnungen, die von Szene zu Szene verwischt und überschrieben werden - ein Kunstwerk, das während des Stücks entsteht und doch nicht bleibt. Eine Theater-Metapher. Eine ganze Reihe neuer Ensemblemitglieder gaben ihren Einstand an der Schaubühne: Damir Avdic (Prof. Bernhardis Sohn Dr. Oskar Bernhardi), Lukas Turtur (Dr. Löwenstein), Veronika Bachfischer (Dr. Wenger), Hans-Jochen Wagner (Prof. Dr. Flint), Konrad Singer (Dr. Filitz). Zurück an der Schaubühne und in der Hauptrolle ist Jörg Hartmann.

Thomas Bading, Jörg Hartmann, Sebastian Schwarz (Foto: Arno Declair)

Hier ein Interview mit Thomas Ostermeier zu Enstehung des Stücks (Video).


22.12.16 Ausstellungseröffnung Too late. I got my face on. von Katharina Ziemke (Schaubühne)
Die Künstlerin Katharina Ziemke, die für Thomas Ostermeiers Inszenierungen von "Ein Volksfeind" und "Professor Bernhardi" die Wandmalereien entwarf, zeigt in der Ausstellung Werke, die sich mit Bühne und Schauspiel beschäftigen.
Die ehemalige Universum Lounge (neben dem Kassenfoyer) wird bis Ende Januar als Ausstellungsraum genutzt. Zu sehen sind großformatige Tuscharbeiten, Linolschnitte, Skulpturen und Pastellarbeiten. Katharine Ziemke dienen dabei häufig historische Fotos als Grundlage, die sie mit verschiedensten Techniken (Kratz-, Druck-, Tusch- oder Ölmaltechnik) in einen neuen Maßstab zur Wirklichkeit setzt. Die Künstlerin spiel mit dem Unterbewussten und die wundersamen Bilderwelten pendeln zwischen den thematischen Gegensätzen Jahrmarkt und Jüngstes Gericht.

"Pharmacy" (Wachskreide auf Papier, 99x140 cm) von Katharina Ziemke in der Asstellung "Too late. I got my face on." (Foto: Elmar Engels)

Katharina Ziemke, 1979 in Kiel geboren, studierte Malerei an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris und an der Kungliga Konsthögskola in Stockholm. Neben Einzelausstellungen in Paris, Berlin, New York und Kiel nahm sie an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil.

Interview von Joseph Perason mit Katharina Ziemke.

Die Arbeiten von Katharina Ziemke sind noch bis 27. Januar 2017 in den Räumen der ehemaligen Universum Lounge neben dem Kassefoyer der Schaubühne zu sehen (Täglich von 16 bis 20 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei.)

Blick in die ehemalige Universum Lounge mit den Arbeiten von Katharina Ziemke (Foto: Maren Vergiels

  
23.12.16 Lesung Gegen Hass und Angst – für Mitmenschlichkeit (Schaubühne)
Nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz entschloss sich die Schaubühne dazu im Rahmen einer Sonderveranstaltung dem Gefühl von Angst und Verzagen etwas entgegenzusetzen. Es lasen Thomas Ostermeier, Carolin Emcke, Lars Eidinger und Ursina Lardi Texte von Ingeborg Bachmann, Gottfried Benn, Bertolt Brecht, Carolin Emcke und Rainer Maria Rilke. Igor Levit spielte auf dem Klavier Stücke von Bach, Schubert und Brahms.


29.12.2016 re-visited Wallenstein (Schaubühne)
Noch mal zwischen den Jahre ins Theater. Ich hatte angekündigt, dass ich dieses Stück noch mal sehen muss: Wallenstein. Diesmal sitze ich sehr weit vorne und kann die Gesichter der Schauspieler*innen gut sehen. Obwohl mir die drei Stunden wieder nicht lang werden, ist es ein anstrengendes Stück. Umso höher muss ich die Leistungen der Schauspieler*innen bewerten. Ob ich diesmal mehr verstanden habe? Kann ich nicht beantworten.

Laurenz Laufenberg, Regine Zimmermann, Alina Stiegler, Ingo Hülsmann (Foto: Katrin Ribbe)

Ich freue mich auf ein tolles Theaterjahr 2017 und über alle, die mir hier Feedback geben. The stage is yours!

22. Oktober 2016

Max Penthollow schreibt mir // Kapitel 17: "Die Zeit aus den Fugen" (Podiumsdiskussion an der Schaubühne)

Wenn es gut werden muss!

Am Mittag des gleichen Tages habe ich Carolin Emckes Streitraum besucht. Thema: Kosmopolitismus und Menschenrechte. Carolin Emcke äußerte, dass Sie sich große Sorgen darüber mache, wo heute überhaupt noch Demokratiebildung stattfinde. Ihre Hoffnungen setze sie ins Theater. Diese Idee, was Theater leisten kann, im Kopf ging ich in den Diskussionsabend an der Schaubühne. 

Insgesamt hatte ich von diesem Abend etwas anderes erwartet. Mehr Einblicke in die Möglichkeiten, die Theater hat. Leider ist die Diskussion zu stark in Erklärungsversuche über die Gründe für das Erstarken der AfD abgedriftet. Das wäre vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn die Diskutant/innen dabei nicht immer wieder die Frage „Wozu spielen?“ aus den Augen verloren hätten.

Mir fällt es schwer, den Abend und die Ergebnisse der Diskussion zu bewerten.

Max hat es dennoch versucht und hier sind seine Gedanken zu dem Abend.

Max Penthollow schreibt mir...

Jeden Tag geschehen Dinge in der Welt, die wir nicht verstehen. Wir müssen es aber versuchen!*

(*Werbeslogan für den "Stern" aus den 1980er Jahren)

"Die Zeit ist aus den Fugen…" - wozu spielen?

Diskussionsabend in der Schaubühne am Sonntag, 16. Oktober 2016, 20:30 Uhr, mit Thomas Ostermeier, Ulrich Matthes, Maxi Obexer, Falk Richter
Moderation: Peter Claus, Kulturradio (rbb)

Liebe Maren,

gestern waren wir beide bei der Podiumsdiskussion in Saal C in der Schaubühne, hier sind meine Eindrücke und Gedanken dazu:

"Die Zeit ist aus den Fugen" ist ein Zitat aus "Hamlet" von William Shakespeare. "The time is out of joint!"

Die Zeit war und ist schon immer aus den Fugen! Und die Menschen haben immer Kunst gemacht und sich in der Kunst mit den Dingen in ihrer Welt beschäftigt und darstellende Kunst und Theater und Performances gemacht. Seit 2400 Jahren und Aischylos ist es belegt und wir wissen es genau!

In 85 Generationen Homo sapiens seit Homer ist unsere Spezies in 2800 Jahren (bei angenommenen 3 Generationen pro 100 Jahre) genetisch gleich geblieben. Die Menschen waren gegenüber ihren Mitmenschen zu allen diesen Zeiten und in den Zeiten davor liebevoll, fürsorglich und solidarisch - so wie heute - und genauso auch immer – auch massenweise – aggressiv, mörderisch und grausam - so wie heute. In diesem Sinne war und ist die Zeit und die Welt schon immer aus den Fugen - oder eben auch nicht!

Wozu spielen? Ich sehe es so: weil sie spielen müssen! Weil die Menschen immer Theater gemacht haben! Aus Leidenschaft! Und wozu? Und wozu noch? Um Spaß zu haben oder um die Welt zu verändern, um andere Menschen aufzurütteln, als Getriebene, aus Besessenheit und Lust am Spielen, zur Selbstverwirklichung, für Anerkennung und Bewunderung, für den eigenen Narzissmus, um zu zeigen, was sie können, um die Leidenschaft für das Theater und die Darstellende Kunst mit anderen Menschen zu teilen, um ihren KönigInnen treu zu dienen, um Geld und Lebensunterhalt zu verdienen, zum Lachen und zum Weinen und zum Heulen. Aus Lust und Leidenschaft, apollinisch und dionysisch!

So verstehe ich das Thema!

In Marius von Mayenburgs Schaubühnen-Übersetzung sagt Hamlet: "das ist nicht und wird niemals gut!" Und Hamlet sagt: "die Zeit ist ganz verrenkt, wie gut, dass ich geboren wurde, um sie wieder einzurenken!"

Hamlet hat die Zeit nicht eingerenkt!

Der Diskussionsabend war nach meinem Empfinden von einem gewissen Interesse. Gesellschaftliche und politische Gegenwart in munterer Erörterung waren thematisch die Hauptlast des Schwerpunkts des Abends. Vom Podium aus und aus dem Publikum wurden Meinungen, Ansichten und Haltungen geäußert und dargestellt. Die KünstlerInnen stellten zum Teil ihre Projekte dar und sprachen über ihre Arbeit und ihre Arbeiten und ihre Visionen. Aus dem Publikum kam zu einigen Äußerungen Zustimmung in Form von Klatschen. Das Publikum war gut einbezogen und applaudierte nach einer ausführlichen Veranstaltung nach annähernd zwei Stunden am Schluss länger.

Hamlet sagt: "das ist nicht und wird niemals gut!"

Liebe Maren, wir wollen trotz allem weiter versuchen, alles so zu machen, dass es gut wird!

Allerliebst

Max

29. März 2016

Hoffnung in Dosen? - Gastbeitrag von Steffi Eisenschenk über das 34. Fadjr International Theater Festival in Teheran

Theater unter den Augen des Wächterstaats

Iran, Januar 2016. Das ist der Anfang einer Geschichte, deren Ursprung ganz weit hinten liegt. Oder ganz vorne. Kommt auf die Sichtweise der Verhältnisse an. Ich weiß nicht genau, wann es anfing, doch es begann mit diesem Satz: „Es ist keine Kunst, die Welt zu erobern; wenn du kannst, erobre ein Herz!“ Diesen lautbaren Talisman von Saadi hat mir Goethe angehängt. Diese Idee einer Auswanderung in ein anderes Herz, dessen Rhythmus ich spüre. So baut die Kunst ihre Brücken über die Poesie. Durch Gedanken reisen, durch Texte, Bilder, Bewegung und Musik. In Filmen, auf Bühnen, im Leben, wo alles zusammen spielt. Dort begegnen sich Menschen mit ihren Sinnen und durch Geschichten. Und ich glaube, Johann Wolfgang kam über Hafiz zu Saadi, dem persischen Dichter. Goethe, ein Handelsreisender zwischen den Kulturen. Mit „Hidschra“ als Reisender im „Wechseltausch“ fremder Lebensformen - dem Orient. Heutzutage scheint das schwierig für Europa, wo es doch für den Einzelnen mit Kultur leicht sein kann. Doch das ist eine lange Kette von verwirrenden Verstrickungen.

Über den Dächern von Teheran (Foto: Stefanie Eisenschenk)

Einblick
2016 in Deutschland, das Jahr war erst ein paar Wochen alt und drohte schon in ideologischem Verortungsgebrüll zu versinken. Gruselig fühlte sich das an, denn ein verwirrter Prozentsatz war so laut. Genau jetzt die Gegenbewegung anzutreten war Zufall. Raus aus Deutschland, rein in ein „unsicheres Herkunftsland“. Eine Reise in den Iran. In eine islamische Republik! Ein rotes Tuch für die Angstprediger Deutschlands. Einwurf, sicherheitshalber: Eine Iranexpertin bin ich nicht, nach sechzehn Tagen habe ich nur Fragmente erfasst. Und natürlich war alles anders als erwartet, obwohl ich nicht ganz unvorbereitet war. Beeinflusst war ich von Jafar Panahis' "Taxi Teheran" und "Der Kreis" sowie "A Separation" von Asghar Farhadi und "A Girl Walks Alone Home At Night" von Ana Lily Amirpour und dem gesamten Rest meines Lebens.

Parallelen

Es hat mich deshalb nicht überrascht, dass im Iran nicht nur Ahmadinejads wohnen oder nur Mullahs bei den 80 Millionen Einwohnern. Jedoch verhüllen sich viel mehr Frauen mit dem schwarzen, langen Gewand, dem Tschador, als ich dachte. Die erste Begegnung im Flughafen Teheran: wir saßen zusammen auf der Toilette. Alle in unseren Kopftüchern und rauchten. Ungeahnte Parallelen. Sie sind vorhanden, denn auch Nonnen tragen Kopftuch. Nur haben die katholischen Damen die Wahl - schwarz und auch weiß. Unsere Nonnen wohnen allerdings in Klöstern und gehen nicht in die Moscheen, leben aber ebenfalls nach religiösen Regeln. Freiwillig. Das Aufzwingen von Religion vom Staatswegen ist für mich allerdings eine sehr ungesunde Vermischung. Welche religiösen Regeln jetzt richtiger oder wichtiger sind und ob überhaupt Glaubensregeln oder einfach Menschenrechte das Zusammenleben möglich machen, diese Antwort sollte jeder Demokrat den Menschen selbst überlassen. Dies gehört zu den Grundrechten einer demokratischen Einstellung.

Da die Gegenwart ihre Wurzeln immer auch ganz woanders hat, erfordert es einen historischen Blick. Wer nur über die aktuellen Vorschriften der Bekleidung oder die herrschende Zensur im Iran spricht, ohne die Entwicklungsgeschichte des politischen Systems der islamischen Republik und deren Machtstrukturen zu betrachten, der bleibt nur an der Oberfläche hängen.

„Das ist im Grunde nur die Warze, nicht die Krankheit.“ (Thomas Brasch im Gespräch mit Günter Grass.

Symbole (Foto: Stefanie Eisenschenk)


Es ist kein Zufall, dass ich sehr oft bei dieser Reise an Thomas Brasch, Barbara Köppers oder Irmtrauth Morgner denken muss. Eine Spiegelung von Geschichten, gespalten durch die Zeit. Kunst in der DDR. Überhaupt, Kunst unter dem Einfluss von Zensur, Kunst unter dem Hakenkreuz - das Zeichen werde ich in einem alten Tempel aus der persischen Zeit neben einem Davidstern in den Mauern sehen. Der Tempel mit dem „Hakenkreuz“ Symbol ist lange vor dessen Missbrauch erbaut worden. Das Symbol wurde genauso entfremdet und benutzt von den Nazis, wie der Begriff „Arier“. Der Dokumentarfilm „Die Arierer“ hat in 2014 endlich das Lügenwerk der begrifflichen Rassenideologie präzise offen gelegt. Arier – geklaut aus dem alten Persien. Dass ein Arier ein Mensch ist - wie du und ich - hat König Darius vor 2500 Jahren in Stein gemeißelt. Tragischerweise wurde der Begriff von den Nazis für perfide Propaganda-Strategie benutzt und mit ausgedachten Attributen zu einem Pseuydoideal zusammengebastelt. Für mich blitzte hier immer wieder die Gegenwart aus Deutschland durch - wo Personen der AfD und anderer Parteien begonnen haben öffentlich zu irrlichtern. Die Sprache wird für politische Propaganda missbraucht, um ängstliche Mitläufer zu gewinnen. Eine verlogene Instrumentalisierung der Flüchtlinge für herrschaftliche, politische Zwecke. Die Fluchtursachen sind komplex und es erfordert ein Hinterfragen seiner eigenen Selbstherrlichkeit - weil es doch tatsächlich um ein verdecktes Spiel der Beherrschung geht (S. 118-120, Moderne und Ambivalenz, Zygmund Bauman). Womit ich wieder bei Hamlet bin.

Hamlet im Spannungsfeld des Wächterstaats

34. Fadjr International Theater Festival in Teheran (Fotos: Stefanie Eisenschenk)

Zum 34. Fadjr International Theatre Festival nach Teheran fuhr ich, weil ich als Freundeskreismitglied der Schaubühne versuche, mindestens ein Gastspiel pro Jahr zu begleiten. In "Hamlet" wird regelmäßig der König ermordet, betrogen und gelogen. Am Schluss sind fast alle tot. Shakespeares Schurkenstück in Teheran - mit diesem Hintergrund der Geschichte der Diktatoren: vom Schah von Persien, der Revolution 1979 des Ajatollah Khomeini, sowie der blutigen Unterdrückung von 2009, wo die Demonstrationen gegen die Wiederwahl Ahmadinejads brutal niedergeschlagen wurden - dies unter den Augen des obersten, religiösen Imans? Der gleiche Iman Ali Khamenei, der auch im Theatersaal hängt. Über Hamlets Handeln gewissermaßen, in Mitten der vielen Verstrickungen. Kaum eine Vorstellung konnte besser sein. Für mich war es eine Annäherung über eine doppelte Flucht - mit Umweg über die Spaltungsfigur "Hamlet", dem Fremdblick und der Zensur - es war ein ganz anderer Nährboden, auf welchen diese Wörter fielen:

„Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage“

Wie aber inszenierte Thomas Ostermeier (Schaubühne) Hamlet unter den Augen des Wächterstaats? Mit Probelauf vor dem Zensor? Wo eine institutionalisierte Religion im Deckmantel und Dienst der Machterhaltung wirkt? Ahmadinejad ist weg, der neue Ministerpräsident Ruhani scheint für Erneuerung und einer Öffnung Irans zur Welt zu stehen. Dem Iran wird jetzt verheißungsvoll „Aufbruch“ zugeschrieben, denn seit Januar herrscht Atomfrieden mit den USA und auch das Handelsembargo gibt es seit kurzem nicht mehr. Die Systematik in der islamischen Republik ist jedoch genau die Gleiche geblieben: der oberste Geistliche, der Iman entscheidet, wer ins Parlament darf und wer nicht. Wer immer also im Parlament sitzt, ist durch die Struktur des Wächterstaats gegangen und damit automatisch ein Teil des Systems. Wie die Herrschaftsideologie die Menschen formt ist ungewiss. Fakt ist, immer noch finden erschreckend viele Hinrichtungen statt. Es gibt keine Meinungsfreiheit, die Frauenrechte sind weit entfernt von Gleichberechtigung, die Revolutionswächter achten auf „Teufelsfrisuren“ oder ob das Kopftuch getragen wird. Kunst ist der willkürlichen Zensur unterworfen. Gerade wo Unterdrückung herrscht, hat Kunst oft ein stärkeres Gewicht, ein wirkliches Anliegen. Kunst, trotz Zensur, aber ohne sich dem Regime anzudienen? Das sind Widersprüche, die schwierig auszuhalten sind, aber es ist nicht unmöglich. Es braucht Willen dazu, Mut und Ausdauer.

Iranischer Magazin-Beitrag zur Schaubühne (Foto: Stefanie Eisenschenk)


Eine andere Ophelia - eingerahmt von den Mullahs
Es war verwirrend, wie anders Shakespeares Dichtung (Jenny König als Ophelia zum Gastspiel in Teheran) im Iran wirkte. Diese Verschiebung des Blickwinkels an diesem Ort, mit diesem Stück hat mich berührt. Die Verwicklungen und das Fallen des Claudius (Urs Jucker) und Polonius (Robert Beyer) am Anfang sah ich in Teheran mit ganz anderen Augen. Zwar auch unter dem Regenschlauch, auch im Dreck der Torfbühne, aber trotzdem empfand ich viele Szenen und Texte viel sinnbildlicher, viel deutlicher und viel intensiver als in Berlin.

„Das Schauspiel sei die Schlinge,
In die den König sein Gewissen bringe.“


Vieles war greifbarer. Ich steckte selbst ungewohnt in diesem Umhang der erzwungenen Verhüllung und den vielen Verboten für Frauen. Ophelia (Jenny König) im rosa Kopftuch, von Hamlet mit Dreck beworfen und mit Torf zugedeckt auf dem Grab – Unsichtbarkeit ist fast wie ein kleiner Tod. Diese Veränderung der Inszenierung wirkt sinnbildlich stark - in Berlin wälzen sich die beiden körperlich umschlungen im Dreck. Um den Vorgaben zu entsprechend jegliche Konturen des Körpers zu entfernen, saß ich mit Poncho im Theater; „ich passte mich an, blieb aber fremd“ (vgl. S. 31 „Ist das ein Leben“ von Insa Wilke über Thomas Brasch). Die schlimmste Einschränkung im Iran ist aber, dass dort niemand offen sagen darf, was er wirklich denkt. Angst macht gefügig. Damit merkte ich auf der eigenen Haut - hier steht etwas auf dem Spiel, es geht hier um etwas. In Berlin, inmitten einer satten und sogenannten „freien“ Wohlstandsgesellschaft ist vieles einfach so egal, so banal. Was in Berlin in der Vielzahl der Möglichkeiten untergeht, ist in Teheran hoch brisant. Und Ostermeier hat über Lars Eidinger als Hamlet geschickt Verweise an unterschiedliche Adressaten eingebaut.

Die Atmosphäre im Theatersaal war dem entsprechend erwartungsvoll, fast schon flirrend in der Vahdat Hall. Es war allen klar, dass die Inszenierung aus Berlin durch den Zensurfilter des Wächterstaates musste, aber trotzdem wurde viel erwartet. Es waren sehr viele Leute, die das Stück sehen wollten. So viele, dass sogar das Eingangstor gestürmt wurde. Ich konnte mich gerade noch so reinquetschen. Die Vorschrift, dass Männer und Frauen sich nicht berühren dürfen in der Öffentlichkeit, hatten in dieser Situation wirklich alle Beteiligten verdrängt. Und so haben wir am Eingang das gemacht, was auf der Bühne selbst nicht gezeigt werden durfte - körperlichen Vollkontakt. 

Kunst als Probe
Die Kunst der Künstler wurde auf die Probe gestellt. Nicht nur von den Zuschauern, im Iran auch durch die Zensur. Eine doppelte Herausforderung sozusagen. Eine verhüllte Kunst der Störung. Und trotzdem ein Probelauf zum Verhalten?

HAMLET in Teheran

„Schändlichkeiten, Herr, denn der satirische Schuft da sagt, dass alte Männer graue Bärte haben und ein Kassengestell tragen…“


Bei diesem Dialog blickt Hamlet nach oben, wo rechts und links die beiden Imane hängen - wie in allen öffentlichen Gebäuden, Ajatollah Khomeini und der aktuelle Machthaber Ali Khamenei. Beide mit langen, grauen Bärten. Khamenei trägt auch eine Brille. Diese Anspielung verstand ich sofort, denn Polonius (Robert Beyer) trug im Iran kein Kassengestell. Die Übertitel der Übersetzung in Farsi konnte ich allerdings nicht lesen. Trotz Zensor und unter den Augen des iranischen Kulturministers folgten weitere kleine Anspielungen, die teils in die deutschen Dialoge eingeflochten oder einfach bei passender Gelegenheit kurz in Englisch eingeworfen wurden. Shakespeare hat in Hamlet eine kurze Theaterszene eingebaut, ein Theater im Theater sozusagen. Hamlet ist darin als Frau verkleidet, in Berlin lässt Ostermeier Hamlet in Damen-Dessous eine Frau spielen, im Iran trägt er stattdessen - ich glaube ein schwarzes Nonnenkostüm. Oder einen Tschador? Ich konnte das noch nie auseinanderhalten. Der verschleierte Hamlet sagte jedenfalls „Don’t touch“ zu seinem Schauspielkollege Sebastian Schwarz, der scheinbar zu nah kam. Damit spielte der verschleierte Hamlet auf die Verbote der Berührung in der Öffentlichkeit zwischen Frau und Mann an. Der Schaubühnen-Hamlet in Teheran wurde so um eine weitere Ebene ergänzt, die nur über Anspielungen und Querverweise funktionierte. Die Iranerinnen und Iraner lachten über diese Anspielung, weil sie diese Beschränkungen im Alltag des öffentlichen Lebens allzu gut kennen. Hamlet war damit ein Komplize der Zuschauer und hat sie gleichzeitig auf den Seziertisch gelegt.

Die Kunst sich zu verhalten.

Im direkten Kontakt zum Publikum fragt Hamlet auf Englisch „Hat Hamlet Laertes etwas angetan?“ Es folgte ein Dialog, der das Dilemma auf den Punkt brachte. Hamlet stellte seine Frage ungefähr an 1000 Leute. Nur ein Zuschauer gab ein Handzeichen, das ist nicht selten auch so in Berlin der Fall. Alle anderen enthielten sich. Anfangs. Jetzt trat der Schauspieler Lars Eidinger heraus aus seiner Rolle des Hamlet und sprach einen Herrn aus der ersten Reihen direkt an. Einen, der sich nicht beteiligt hatte. „What’s your opinion?“ Der Zuschauer druckste herum, vom Publikum kamen Zwischenrufe „we don’t  know it, we are confused“. Der Mann fragte dann Lars Eidinger, was seine Meinung wäre. (Ich klappe dabei innerlich zusammen). Eidinger antwortete, er sei nur der Schauspieler, der einem Skript folgt. Aber er, als Zuschauer, er müsste doch eine Meinung haben und nicht nur dort auf seinem Stuhl sitzen. Das ist im Iran eine andere Aufforderung als in Deutschland. Wo jedoch ist eine solche Meinungsübung besser möglich als im Theater? Beziehungsweise sich beispielhaft zu verhalten?

In diesem Moment trat etwas ans Licht, Eidinger zog ein Problem blank - er wirkte tatsächlich verzweifelt, stand da, mit seinem künstlichen Wanst im Haweiihemd und für mich stand hier jemand, der „Wahrsprechen“ forderte. Vehement. Was in einer Diktatur allerdings lebensbedrohlich sein kann. Wie gesagt - Angst macht gefügig. Es gibt im Leben nicht auf alles eine Antwort, aber in dieser Situation ging es um ein Erkennen, ein Wissen, das alle im gleichen Raum zur gleichen Zeit als Theaterstück miterlebt hatten. Und trotzdem schien es schwierig zu entscheiden, was passiert war. Das Publikum im Iran, wie in Berlin beobachtete, aber verstand nicht, was es gesehen hatte. Was war richtig? Was war falsch? Seine Meinung zu vertreten, sich zu verhalten - und das öffentlich - erfordert immer Mut. Eine Meinung zu vertreten bietet immer Angriffsfläche, genau das jedoch gilt es auszuhalten. Ja, Hamlet hat Polonius erschossen. Versehentlich zwar, aber tot ist er trotzdem. Ophelia hat sich seinetwegen umgebracht. Alle im Raum haben das gesehen, aber einordnen war schwierig. Denn Shakespeare schaffte Verwirrung, ein Gedankenchaos, immer wieder ein Meister seines Fachs. Endlich kam die Erlösung von einer Frauenstimme „but he killed his father“ und dann noch eine weitere, zarte Frauenstimme „and he made Ophelia doing suicide.“ Laertes (Franz Hartwig) hat also zwei ihm nahestehende Menschen verloren. In dieser Menge und genau in diesem Moment hatte ich das Gefühl von einem Augenblick -  es klingt so groß -  doch es fühlte sich an wie - Wahrheit. Dieser Moment wurde für mich „zum Erscheinungsort ihrer eigenen Diskursgegenwart, einer Gegenwart, die sie als Ereignis befragt“. Wie das Foucault in einer seiner letzten Reden sagte „Über den Mut zum Wahrsprechen im politischen Diskurs. Die Regierung des Selbst und der anderen.“

So hatte ich Hamlet noch nicht erlebt. Es ging mehreren so, aber nicht allen. Manche fanden das Nachfragen von Hamlet (Lars Eidinger) zu vehement. Meine Meinung ist, warum sollte die Machtstruktur, die durchaus auch auf der Bühne gilt, nur zwischen Schauspielern und Zuschauern, nicht ebenfalls aufgebrochen werden? Geht es nicht genau darum?

Schaubühnen Ensemble im begeisterten Schlussapplaus des iranischen Publikums (Foto: Amir Safar Saghafi)

Gleichbehandlung und Gerechtigkeit
Hamlet in Teheran war kein Wegducken im politischen System des Mullah-Regimes, das im religiösen Deckmäntelchen agiert. Die Unterdrückung und die sozialen Missstände im Iran sind offensichtlich. Reich und arm klaffen auseinander, wie in so vielen anderen Ländern. ¼ der Bevölkerung Irans genießen Sonderstatus durch Vorzüge des Regimes, diese Personen wiederum stützen überhaupt das ganze Konstrukt. Interessen erzeugen soziale Positionen, das sind gemachte Strukturen, das gilt nicht nur für den Iran. Die Frage ist nur, welche Interessen herrschen?  Es bedeutete für mich, durch den Umweg der Distanz im Iran, auf die eigenen Situation in Deutschland zu blicken. Das zwar eine Demokratie ist und ein Rechtsstaat, dennoch frage ich mich, welche Interessen herrschen. In Deutschland ist das alles ein Jammern auf hohem Niveau, dennoch sind soziale Ungleichheiten nicht selten eine ungesunde Entwicklung, die es den rechten Lagern wohl leichter macht, Anhänger zu finden. Das wird aktuell nicht nur in Deutschland deutlich. Jeder selbstherrliche Blick, den der Westen oft für sich beansprucht, verleugnet die eigenen Zwänge oder Fehlentwicklungen.

„Wahrsprechen“ und auch die Art und Weise, die Wahrheit zu sagen: Der Sprecher bringt sich dabei selbst in Gefahr, nimmt dieses Risiko aber rückhaltlos in Kauf. Foucault spricht in diesem Zusammenhang auch von der „Dramatik des wahren Diskurses“.

Anruf der Poesie
Es ist eine Lücke in dieser Republik.
Es ist eine Fuge in einem Kopf.
Es ist eine Fuge in einer Frau.
Es ist eine Fuge in der Musik von Bach.
Und es ist eine Fuge in dieser Geschichte.
Und nur wenn diese Fuge da ist, durch die man so schielen kann wie in eine Lücke von dem verbotenen Zimmer oder so.
Und hinter all dem noch etwas sieht, was möglich ist in einer Welt oder in einer Gesellschaft, die man für so festgemauert hält. Aber auch in einer Mauer hat der Maurer irgendwo gepfuscht und da wo wer pfuscht, siehst du plötzlich durch und dahinter sitzen Indianer und die Alternative ist nicht mehr einsam oder zweisam, sondern noch etwas anderes.
(von Thomas Brasch, aus dem Buch von Insa Wilke "Ist das ein Leben”)

Junge Frauen im Iran (Foto: Stefanie Eisenschenk)

Es sind wieder viele erste Anzeichen von Hoffnung für Veränderung, kleine Lücken, die den Widerstand überwinden lassen. Kleine Ritzen von Hoffnung. Die einen Anfang machen. Einige Pärchen im Teheran sah ich, die hielten sich einfach an der Hand und gingen demonstrativ durch die Stadt. Eine weitere, stille Revolution soll seit längeren im Gange sein - Bildung. Die Väter schicken ihre Töchter auf die Universitäten. 60% der Studierenden sind Frauen. Die Forderung nach Veränderung kommt von der Bevölkerung selbst, besonders aus der jüngeren Gesellschaft. Die modernen Leute in Teheran leben zwei Leben, eines für das Staatsregime und ein zweites, privates, hinter verschlossenen Türen. Der Wunsch, ein Leben zu führen, ist stark.

Wie das aussieht haben westliche Zaungäste nicht zu bestimmen, allerdings bringt das Kennenlernen und der Austausch vieles auf eine andere Ebene. In einen Prozess des Miteinanders. Was hoffentlich mehr ist, als der Genuss eines süßen Koffeingetränks in roter Dose. Wie das aussehen könnte, hat viele Gesichter und liegt im Handeln und Begegnen jedes Einzelnen. Sonst sitzen wir im Niemandsland mit Gespenstern (vgl. Außerhalb des Spiels v. Thomas Brasch). Beim Abflug in Teheran sprach mich eine sehr kleine, alte Frau an. Komplett im Tschador verhüllt, ich verstand kein Wort. Sie holte unter ihrem Umhang ein Gebäck heraus und drückte es mir mit ihren beiden Händen sehr innig in meine Hand. Alle waren wir Handlungsreisende im Wechseltausch. Es gab mehrere solch verwirrender Offenherzigkeiten im Iran. Ohne ein Verhältnis zu sich und ohne Umgang mit der Welt findet sich Nichts. Wie das Zusammen aussieht, hängt an jedem Wort und an jeder Geste, die zeigt, ob wir versuchen miteinander zu leben. Es können sehr viele kleine Lichtblicke sein.

„Oft nennt die Welt im eitlen Trug, den Weisen dumm, den Narren klug.“ (Saadi)

Dieser Text erscheint ebenfalls am 29. März 2016 auf derFreitag.