7. Januar 2019

Ja heißt ja und... - Lecture Performance von Carolin Emcke (Schaubühne)

Ursprüglich hatte Carolin Emcke nicht geplant, sich in Form eines Textes zu #metoo zu äußern. Doch dann musste sie ihre Gedanken dazu doch zu Papier bringen, wie sie in einem Interview erklärt.

In ihrer 1,5-stündigen Lecture Performance "Ja heißt ja und..." an der Schaubühne, wo sie seit zehn Jahren als Gastgeberin des Streitraums zu sehen ist, spricht Emcke viele Themen an: Neben Gedanken zu #metoo und zur aktuellen Genderdebatte lässt sie Persönliches einfließen, wie etwa Erlebnisse aus ihrer Zeit als Journalisin in Kriegsgebieten. Auch beschreibt sie, wie und warum ihr bisweilen das Recht abgesprochen wird, sich zu #metoo überhaupt äußern zu dürfen (als Frau, die Frauen begehrt).

Sie stellt fest, dass verschiedene Formen von Weiblichkeit als offensichtlich unterschiedlich schützenswert gelten und dass es soetwas wie eine "Schmerz-Hirarchie" gibt (unterschiedliche Erfahrungen werden als mehr oder weniger schlimm eingestuft). Dabei muss es darum gehen, überhaupt sagen zu dürfen, was einem wiederfahren ist. Das hat nichts mit Jammern oder Anklagen zu tun.

Carolin Emcke: Klare Worte (Foto: Gianmarco Bresadola)

Zum Titel: Etwas nicht zu wollen, bedeutet nicht, nichts zu wollen. Ein "Nein" grenzt nur ab und kann neue Räume und Möglichkeiten schaffen. Genausowenig ist ein "Ja" kein unbegrenztes Zugeständnis für was auch immer.

Und sie sagt, was wohl vielen durch den Kopf geht: Warum kann das denn nicht mal jemand anderes ansprechen? Warum müssen es immer, die sein, die selbst betroffen sind. Damit spricht sie an, was der nächste wichtige Schritt im Streben für Gerechtigkeit sein sollte: Es müssen auch diejenigen sich engagieren und Ungerechtigkeit aufzeigen, die die davon profitieren.

Der Text von Carolin Emcke soll im Frühjahr in Buchform erscheinen.
Es lohnt sich aber allemal, sie live zu sehen.


Von und mit: Carolin Emcke   
Video: Rebecca Riedel, Mieke Ulfig   
Dramaturgische Mitarbeit: Bettina Ehrlich   
Assistenz: Angelika Schmidt   
Licht: Erich Schneider   
Einrichtung Raum: Jan Pappelbaum   
Stage Manager: Roman Balko
Modellbau Video: Maïté Dietzel


Weitere Vorstellungen:
24. und 25. Januar 2019
1. und 2. Februar 2019

4. Dezember 2018

Max Penthollow schreibt mir // Kapitel 20: Sehnsucht und Erfüllung - Die Glasmenagerie (Deutsches Theater)

Max Penthollow schreibt mir:


Liebe Maren,

am 26. November war ich im Deutschen Theater in Tennessee Williams' "Glasmenagerie" aus dem Jahr 1944, Regie Stephan Kimmig, Premiere am 16. Dezember 2016.

Menagerie (französisch Ménagerie), die,

1) ein kleiner Tierpark an Fürstenhöfen;

2) Wandertierschau, häufig zu einem Zirkus gehörend.

(aus: Goldmann Lexikon, Bertelsmann Lexigraphisches Institut, Gütersloh 1998, Band 15, S. 6533)


Auf der Bühne ist die kleine Familie, Mutter, Sohn und Tochter - Amanda, Tom und Laura, in ihrem Wohn- und Esszimmer mit Schneiderei. Der Vater ist weg, es gibt nur noch die Erinnerung an ihn und ein Bild auf der Bühne. Ein Mann und Verehrer, Jim, kommt schließlich noch hinzu. Zwei Hühner – eine Henne und ein Hahn – sind in einem kleinen gläsernen Gehege links seitlich auf der Bühne untergebracht und haben ab und zu eigene Bühnenauftritte.

Die Glasmenagerie ist Lauras Sammlung kleiner zarter und zerbrechlicher Glastiere in einem kleinen Pappkarton, mit dabei auch ein Einhorn, das in der Spielhandlung durch versehentliche unachtsame Behandlung sein Horn verliert. "Das ist aber überhaupt nicht schlimm. Gar nicht schlimm."

Als Zweites hat Laura ihre Schallplatten.

Das Stück ist ein Spiel über Hoffnung und Sehnsucht nach Nähe, Liebe und Glück und über die Unmöglichkeit ihrer Erfüllung. Ein Leben in Geborgenheit und Liebe und Glück ist "eine Realität, von der sie nur träumen können".

Anja Schneider und Linn Reusse (Foto: Arno Declair)

Die wunderbaren Darstellerinnen und Darsteller dürfen zeigen, was sie alles können, womit sie – so stelle ich es mir vor - vielleicht schon immer und schon in der Schule und in ihrem ganzen Leben ihre Lieben und andere Menschen begeistert und zum Lachen und zum Staunen gebracht haben, mit Kunststückchen, Kabarett, Klamauk und slapstickartigem Witz. Hinreißend spielen sie das melancholische Spiel um Erwartung, Enttäuschung, Liebesverlangen und Liebesverlust, herzzerreißend und zum Weinen. Sie sind fantastisch und in ihrem Element: Anja Schneider, Linn Reusse, Marcel Kohler und Holger Stockhaus.

Durch das in Form und Inhalt gegensätzliche Spiel entsteht ein eindrückliches Bild einer unendlichen Sehnsucht und grenzenlosen Hoffnung sowie einer großen und unermesslichen Traurigkeit. Für mich war das Stück gerade in dieser polaren Art der Inszenierung ganz wunderschön und bezaubernd und der Abend für mich besonders anrührend, bewegend und entzückend!

Anja Schneider als Amanda Wingfield (Foto: Arno Declair)
 
Die Bedeutung der beiden leitmotivischen Hühner auf der Bühne, Henne und Hahn, bestimmen wir selbst. Uns allein ist es überlassen, was wir an Interpretation in dieses Motiv hineinlegen möchten oder nicht. Ich habe dieses Moment sehr genossen!

In der Nacht gibt es einen heftigen Regenschauer.

Jeder (jede) sollte eine Glasmenagerie haben.


Allerliebste Grüße

Max

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Regie: Stephan Kimmig
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Anja Rabes
Musik: Michael Verhovec

Deutsch von Jörn van Dyck

Amanda Wingfield: Anja Schneider
Laura Wingfield: Linn Reusse
Tom Wingfield: Marcel Kohler
Jim O’Connor: Holger Stockhaus

20. November 2018

Max Penthollow schreibt mir // Kapitel 19: Total Therapy - Therapeutisierung des Alltags

Max Penthollow schreibt mir...

Liebe Maren,

am 13. November war ich bei der Premiere von Interrobangs neuer Performance "Total Therapy" im Festsaal der Berliner Sophiensäle.

In der Programm-Ankündigung steht: "in Total Therapy widmen sich Interrobang der zunehmenden Therapeutisierung des Alltags. Im Zuge von gesteigerter Selbstoptimierung, omnipräsentem Coaching und allgegenwärtiger Feedbackkultur werden immer weitere Lebensbereiche therapeutisiert."

Interrobang ist eine Performancegruppe aus Berlin.

Wir sind im Festsaal der Sophiensäle, gefühlt etwa 50 Theatergäste, Frauen und Männer. Im Raum stehen mehrere mit Buchstaben bezeichnete runde weiße Tische mit umgebenden Stühlen, am Boden sind große kreisrunde weiße Felder angelegt, es gibt das stufenförmige Theater-Podest, mehrere Kabinen mit weißen Vorhängen und ein Info-Center in der Mitte des Saals. Es ist ein Spiel und dauert zwei Stunden. Es gibt mehrere Spielgruppen mit jeweils wechselndem Teilnehmerinnen und Teilnehmern und dazu jeweils jemand vom Performance-Team, die oder der die jeweilige Gruppe in der jeweiligen Spielphase leitet. Teilweise findet das Spiel im freien Raum statt, teilweise an den runden Tischen.

 Erste Runde: Was denken wir über unsere Mitspieler*innen? (Foto: Renata Chueire)

Wir alle bekommen einen weißen Rucksack. Wir beurteilen die anderen und die anderen beurteilen uns, mit jeder Menge Vorurteilen, anhand kleiner weißer Zettel mit vorgefertigten Aufdrucken, die wir beliebig verteilen oder zuweisen können: "du hilfst den Nachbarn im Treppenhaus" oder "du hast versucht, die anderen zu übervorteilen". Alle Zettel kommen in den Rucksack. Wir bekommen Attribute in Form von bunten Spielkarten mit Aufschriften, z.B. Dominanz, Ehrgeiz, Bosheit und Mitgefühl. Wir spielen in kleinen Gruppen miteinander um den Erfolg und geben und erhalten Feedback in Form von Anerkennung oder Ablehnung, dementsprechend bekommen die anderen und bekommen wir Eigenschaften zugewiesen. Daraus entsteht jeweils ein individuelles Bild unserer Persönlichkeit.

Zweite Runde: Eigenschaften gewinnen oder verlieren (Foto: Renata Chueire)

Im letzten Viertel der Spielzeit und nachdem wir selbst erlebt haben, wie willkürlich und beliebig und zusammenhangsfrei wir untereinander Feedback und Eigenschaften vergeben und erhalten haben, geht das Spiel in eine Phase der Meditation. Wir bekommen Kopfhörer mit Frauenstimmen und Männerstimmen, die uns weiter begleiten. Die Stimmen leiten uns an, unsere im Spiel erlebten Begebenheiten und Situationen des Spielverlaufs nochmals in Gedanken an uns vorüberziehen zu lassen und zu reflektieren. Für mich war diese Phase eine besonders schöne, entspannende kathartische Situation. Aus dem Kopfhörer vernehmen wir phasenweise weitere beliebige an uns persönlich gerichtete anerkennende oder abwertende Kommentare zu unserer Persönlichkeit. In einer Kabine mit weißem Vorhang betrachten wir uns selbst im Spiegel und bekommen durch eine Lücke in der weißen Kabinenwand einen Gegenstand gereicht, einen kleinen bunten Holzpropeller oder ein kleines rotes Reh aus Plastik. Zum Abschluss begeben wir uns unterer weiterer Kopfhörer-Anleitung zum Podest und suchen uns dort einen Platz aus. Dann gestalten wir unter Anleitung auf den Boden-Ebenen des Podests unsere eigene Collage aus dem Inhalt unseres weißen Rucksacks, den Gegenständen und Zetteln und Eigenschafts-Spielkarten. Nur für uns allein und so wie wir es wollen. Jetzt sind wir ganz bei uns. Niemand bewertet unsere Collagen außer uns selbst. Für mich ist jetzt alles so richtig wie ich es mache und alles ist gut.
 
Bin ich das wirklich? (Foto: Renata Chueire)


Ich habe die Runde sehr genossen und bewundere es sehr, mit welcher Liebe und Hingabe Interrobang sich hier wieder ein wunderbares Spiel für uns ausgedacht haben. Wir alle spielen mit und erleben dabei, jeder für sich, wie relativ Selbstoptimierung, Coaching und allgegenwärtiges Feedback sein können. Wir erleben, wie gut es uns tun kann, in unserem eigenen Leben und Alltag eine Distanz zum Mainstream und zu unserem eigenen Anteil am Mainstream zu finden. So jedenfalls habe ich es erlebt.

Danke, Interrobang!

Allerliebste Grüße

Max


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Konzept: Interrobang
Von und mit: Bettina Grahs, Lisa Großmann, Kaja Jakstat, Elisabeth Lindig, Till Müller-Klug, Lajos Talamonti, Nina Tecklenburg
Bühne / Kostüm: Silke Bauer
Musik: Friedrich Greiling
Lichtdesign / Technische Leitung: Dirk Lutz Produktion ehrliche arbeit – freies Kulturbüro
Öffentlichkeitsarbeit: Tina Ebert
Hospitanz: Miriam Bach
Fotografie: Paula Reissig
Fotocollage: Silke Bauer

Eine Produktion von Interrobang in Koproduktion mit Schauspiel Leipzig, WUK Performing Arts Wien und SOPHIENSÆLE. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.

Weitere Termine:
Residenz Schauspiel Leipzig
11.-18. April 2019

WUK Wien
Termine tbc

Bemerkenswerte Produktionen von Interrobang aus den vergangenen Jahren, über die wir berichtet haben:
Brot und Spiele
Der Prozess 2.0
To Like Or Not To Like


15. November 2018

Falscher richtiger Ehemann: Champignol wider Willen (Schaubühne)

Ein großer Fritsch-Abend in jeder Hinsicht. Und mal wieder eine richtig schöne Komödie an der Schaubühne. Das Ensemble (die alte Frisch-Truppe erweitert durch langjährige Ensemblemitglieder und Schauspielstudent*innen der UDK) kann hier zeigen was es in Sachen Komödie drauf hat. Fritsch nimmt sich diesmal ein Stück von Georges Feydeau vor, ein Autor des Vaudeville - geradezu eine Steilvorlage für Fritsch.

Das Timing ist perfekt. Gesang und Choereographie in typischer Fritsch-Manier. Allen voran Bastian Reiber als Saint-Florimon und Florian Anderer als Champignol turnen, springen, zappel über die große Bühne, dass das Publikum vor Freude jauchzt. Szenenapplaus gibt’s schon nach den ersten drei Minuten.

Und man fragt sich: Warum ist eigentlich bisher noch niemand auf die Idee gekommen, Robert Beyer in einem Fritsch-Stück zu besetzen? Das passt einfach perfekt.

Carol Schuler und Robert Beyer (Foto: Thomas Aurin)

Optisch ist alles (konsequent bis hin zum Programmheft) in Camouflage gehalten, Bühne und Kostüme in zig Varianten des Tarnlooks in allen möglichen Farbkombinationen.

Die Verballhornung des Militärs ein großer Spaß. Eine Verwechslungskomödie so gut und satt, wie man sie im Boulevardtheater nicht finden wird. Denn Klischees werden hier nicht platt ausgespielt, sondern zu großer Kunstfertigkeit gemacht.

Ursina Lardi als Angele und Ensemble (Foto: Thomas Aurin)


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Regie und Bühne: Herbert Fritsch   
Kostüme: Victoria Behr   
Musikalische Leitung: Ingo Günther   

Saint-Florimond: Bastian Reiber   
Champignol: Florian Anderer   
Angèle, seine Frau: Ursina Lardi   
Camel, ihr Onkel: Werner Eng   
Mauricette, seine Tochter: Fine Sendel*
Singleton, deren Mann: Damir Avdic   
Camaret, Capitaine: Axel Wandtke   
Adrienne, seine Tochter: Iris Becher   
Célestin, sein Neffe: Bernardo Arias Porras   
Charlotte, Dienstmädchen bei Champignol: Carol Schuler   
Joseph, Diener bei Champignol / Jérôme, Diener bei Rivolet: Robert Beyer   

Fourrageot, Commandant: Stefan Staudinger   
Ledoux, Adjudant: Robert Beyer   
Belouette, Sergent: Vito Sack*
Grosbon, Caporal: Carol Schuler   
Deneuve, Reservist: Bernardo Arias Porras   
Delon, Reservist: Nina Bruns*
Prinz von Valance, Reservist: Maximilian Diehle*
Depardieu, Reservist: Robert Knorr*
Schneider, Reservist: Teresa Annina Korfmacher*
Bardot, Reservist: Sarah Schmidt*
Ein Gendarm: Stefan Staudinger   

Musiker_innen: Ingo Günther, Taiko Saito, Fabrizio Tentoni   

In Kooperation mit der Universität der Künste Berlin (UdK).

* Studierende der UdK

Essay zum Stück in Pearson's Preview: Champignol in Farbe – oder: Komödie wider Willen

5. Oktober 2018

TheaterRückBlick August & September 2018: Wiederholung & Neuanfänge

Die Theaterferien sind vorbei! Im August und September gab es Neues und Bekanntes.

August   

31.08.2018 Neues Stück II Tanztheater Wuppertal Pina Bausch / Alan Lucien Oyen (Tanz im August / Volksbühne)

Im Stück der Pina Bausch Company wird der Grenzbereich zwischen Tanz, Theater, Text und Film erkundet. Die Schönheit der Bewegung zählt auf der Bühne. Es gibt außerdem ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern wie Nazareth Parandero, einer Webgleiterin von Pina Bausch.
 

September   
   
01.09. 2018 Deutschland-PREMIERE Die Wiederholung von Milo Rau (Schaubühne)

Meinen Bericht zu dieser Inszenierung gibt es hier!


02. 09. 2018 Lö Grand Bal Almanya von Nurkan Erpulat (Maxim-Gorki-Theater)

„57 Jahre Scheinehe“ - lautet der ironische Untertitel des Stücks von Nurkan Erpulat, das bereits 2010 im Ballhaus Naunynstraße lief und am Gorki-Theater wiederaufgelegt wurde. Beschrieben wird die Geschichte der türkischen Gastarbeiter*innen, die im Rahmen des Anwerbeabkommens in den 60ern nach Deutschland kamen. Die Texte, die die Schauspieler*innen sprechen sind Originalzitate von Politiker*innen zwischen den 80er Jahren bis heute. Es wird aber auch viel gesungen (der Abend wird als Singspiel angekündigt). Eine Parodie auf das schwierige Verhältnis der Deutschen und Türken, die mittlerweile in der dritten Generation hier leben, mit aktuellen Bezügen wie die NSU-Morde und deutschen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. Insgesamt ein kurzweiliger Abend, der leider aber auch zu viele Klischees ausweist, was irgendwann ermüdet.

13. 09. 2018 Yes but No von Yael Ronen (Maxim-Gorki-Theater)

Meinen Bericht zu dieser Inszenierung gibt es hier!


21. 09. 2018 re-revisited Ungeduld des Herzens nach dem Roman von Stefan Zweig in einer Fassung von Simon McBurney, James Yeatman, Maja Zade und dem Ensemble (Schaubühne)

Laurenz Laufenberg und Marie Burchard in "Ungeduld des Herzens" (Foto: Gianmarco Bresadola)

Meine Begeisterung für dieses Stück ist auch beim dritten Besuch ungebrochen. Großartig choreographiert, schnell und präzise gespielt,


23. 09. 2018 Brunch zum Spielzeitbeginn der Freunde der Schaubühne

Unser traditioneller Brunch zum Beginn der Spielzeit der Schaubühne. Direktor Tobias Veit nahm diesen zum Anlass, zu erläutern wie es zur „Absage“ der geplanten Vorstellungen des Volksfeind-Gastspiels in Nanjing (China) kam. Hierzu hat die deutsche Presse berichtet, z.B. hier. http://www.taz.de/!5535414/ Die Filmemacher Matthias Schellenberg und Andreas Nickl, die schon seit einigen Jahren die Volksfeind-Gastpiele im Ausland begleiten und dokumentieren waren in China vor Ort, so dass sie Geschehnisse tw. mit der Kamera festgehalten werden konnten. Der Film „Volksfeind auf Reisen“ wird durch den Freundeskreis finanziell ermöglicht.

2. Oktober 2018

Ja sagen, nein meinen: "Yes but no" von Yael Ronen (Maxim Gorki Theater)

Der Beitrag des Gorki-Theaters zur #MeToo Debatte.

Yael Ronens Schauspieler*innen schildern in dem 75-minütigen Stück "Yes but no" ihre Erfahrungen beginnend mit ersten Erlebnissen in der Pubertät bis ins Erwachsenenalter - als Opfer und als Täter*innen.

Themen sind die Überschreitung von sexuellen Grenzen, Missbrauch, Ängste, die eigene Unsicherheit darüber, was ein "Nein" bedeutet - für mich, für den*die andere*n -, Kommunikation, wo Schamgrenzen beginnen, Verschiebung von Grenzen durch die Online-Möglichkeiten. Wo beginnt Verletzung? Wo wird geschwiegen, statt zu reden? Warum folgen eigentlich immer noch so viele den patriarchalen Strukturen?

Dass Yael Ronen die Biografien ihrer Schauspieler*innen zum Bestandteil des Stückes macht, ist nicht neu. Doch hier geht sie noch ein Stück weiter.

Etwa in der Mitte des Stücks fragen die Schauspieler*innen das Publikum, wer schon einmal Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen gesammelt hat, wer diese angezeigt hat, wer persönlich und in seinem*ihrem Umfeld etwas dagegen unternommen hat. Dass sich viele Frauen melden würden, wenn gefragt wird, schon einmal sexuell belästigt wurde, war klar. Erschütternd ist, dass sich bei dieser Frage fast alle Frauen im Publikum melden und auch viele Männer. 

So deprimierend das hier alles klingen mag, der Abend ist nicht düster. Dank der Songs und der Musik erhält das Stück eine versöhnliche Note. Außerdem fühlt man sich aufgefordert, es nicht beim Hashtag zu belassen, sondern gerade jetzt weiterzudenken und weiterzukämpfen - diese Erkenntnis erlangt man nicht zuletzt Dank der Umfrage im Stück.

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Regie: Yael Ronen
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Amit Epstein
Songs und Musik: Yaniv Fridel, Shlomi Shaban, Ofer Shabi
Additional Songwrinting: Riah May Knight, Lindy Larsson
Video: Hanna Slak
Mit: Riah May Knight, Lindy Larsson, Svenja Liesau, Orit Nahmias, Taner Şahintürk

Nächste Vorstellungen:
5. Oktober 2018
29. Oktober 2018
7. November 2018

Tickets und weitere Infos zum Stück auf der Seite des Gorki-Theaters.

9. September 2018

Gewalt verstehen: Berlin-Premiere "Die Wiederholung" von Milo Rau (Schaubühne)

Die Spielzeit 2018/19 an der Schaubühne wurde mit dem Gastspiel "Die Wiederholung" von Milo Rau eröffnet.

Die Handlungdes Stücks, das derzeit durch Europa tourt, beruht auf einem wahren Fall, der sich 2012 in Liège ereignete: Ein junger Mann arabischer Herkunft spricht vor einer Schwulenbar drei Männer in einem Auto an und steigt zu ihnen in den Wagen. Einige Tage später wird seine Leiche gefunden. Er wurde stundenlang zusammengeschlagen und getötet. Was hat die Täter zu dieser Tat getrieben? Wie kann man Gewalt, die (scheinbar) sinnlos an einem Menschen verübt wird, verstehen? Was bedeutet das für die Angehörigen und wie geht jede*r einzelne damit um?

Vier professionelle Schauspieler*innen und zwei Laiendarsteller*innen stellen die Geschehnisse dieses Abends nach, treten dabei aber immer wieder aus ihren Rollen. Zwar wird dabei z.B. der expliziten Dartellung der Gewalt vorwegenommenen, wie diese "nur" gespielt wird, jedoch erscheint sie dem Publikum (gerade deswegen) umso eindriglicher. Man fragt sich: Wie können Menschen einem Menschen das antun?

Keine leichte Kost für den Auftakt der Theatersaison 2018/19 - aber gerade dieser Tage umso eindringlicher.

Aus "Die Wiederholung von Milo Rau & Ensemble (Foto: Hubert Amiel)

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Konzept und Regie: Milo Rau   
Bühne und Kostüme: Anton Lukas   
Video: Maxime Jennes, Dimitri Petrovic
Recherche und Dramaturgie: Eva-Maria Bertschy   
Dramaturgische Mitarbeit: Stefan Bläske, Carmen Hornbostel   
Licht: Jurgen Kolb   
Sounddesign: Jens Baudisch   
Kamera: Maxime Jennes, Moritz von Dungern
Produktion: Mascha Euchner-Martinez, Eva-Karen Tittmann   

Mit: Tom Adjibi, Suzy Cocco, Sara de Bosschere, Sébastien Foucault, Fabian Leenders, Johan Leysen   

»Die Wiederholung« ist eine Produktion des International Institute of Political Murder (IIPM), Création Studio Théâtre National Wallonie-Bruxelles. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin, Pro Helvetia und Ernst-Göhner-Stiftung. In Koproduktion mit Kunstenfestivaldesarts, NTGent, Schaubühne Berlin, Théâtre Vidy-Lausanne, Théâtre Nanterre-Amandiers, Tandem Scène Nationale Arras Douai, Théâtre de Liège, Münchner Kammerspiele, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt a. M., Theater Chur, Gessnerallee Zürich, Romaeuropa Festival.