Posts mit dem Label Regine Zimmermann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Regine Zimmermann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

6. November 2016

Rückblick September und Oktober 2016: Spielzeitbeginn, Premieren, Tanz und Diskussionen

Die theaterfreie Zeit im Sommer war dieses Jahr wegen meines Besuchs des Göteborg Theaterfestivals im August zum Glück erträglich. Wie immer startete ich die Spielzeit mit dem Tanz im August und dem alljährlichen Brunch der Freunde der Schaubühne.


SEPTEMBER

04.09.16 Tanz im August: Until our Hearts stop von Meg Stuart/Damaged Goods (Volksbühne)
Die sechs Performer*innen bringen nicht nur sich selbst sondern auch das Publikum an die Grenze des Zumutbaren. In der Performance werden physische Grenzen ausgelotet. Meg Stuarts Performance ist eine Produktion an den Münchner Kammerspielen.


08.09.16 PREMIERE Empire von Milo Rau (Schaubühne)

Rami Khalaf, Maia Morgenstern, Akillas Karazissis in EMPIRE (Foto: Marc Stephan)

Mit Empire schließt Milo Rau seine Europa-Trilogie, eine dreijährige Auseinandersetzung mit Mythos und Realität Europas, ab.  Schauspieler*innen aus Griechenland, Syrien und Rumänien erzählen von künstlerischer und wahrer Tragik, von Folter, Flucht, Trauer, Tod und Wiedergeburt.

------------------------------------------------------------

Eine Produktion des IIPM – International Institute of Political Murder. In Koproduktion mit dem Zürcher Theater Spektakel, der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin und dem Steirischen Herbst Graz. Gefördert vom Regierender Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, Hauptstadtkulturfonds Berlin, Pro Helvetia und Migros-Kulturprozent. Mit freundlicher Unterstützung: Kulturförderung Kanton St. Gallen.

Konzept, Text und Regie: Milo Rau   
Musik: Eleni Karaindrou
Bühne und Kostüme: Anton Lukas   
Video: Marc Stephan   
Dramaturgie und Recherche: Stefan Bläske, Mirjam Knapp   
Sounddesign: Jens Baudisch
Technik: Aymrik Pech
Produktionsleitung: Mascha Euchner-Martinez, Eva-Karen Tittmann

Text und Performance: Ramo Ali, Akillas Karazissis, Rami Khalaf, Maia Morgenstern

Dauer: ca. 120 Minuten

Weitere Infos und Trailer zum Stück auf der Seite der Schaubühne.

Essay zum Stück in Pearson's Preview: Empire on and off-stage: A Conversation with Milo Rau


18.09.16 Brunch der Freunde der Schaubühne
An unserem Brunch am Wahltag in Berlin wurde über den Spielplan 2016/17 gesprochen, der selbstverständlich von den aktuellen politischen Ereignissen geprägt sein wird.


24.09.16 re-re-re-visited thisisitgirl von Patrick Wengenroth (Schaubühne)
Stücke, wie dieses sind auch beim vierten mal noch so gut wie beim ersten mal. Für alle Feminist*innen und auch alle anderen: Hingehen!


28.09.16 PREMIERE Schatten (Eurydike sagt) von Elfriede Jelinek/Katie Mitchell (Schaubühne)

Jule Böwe in Schatten / Eurydike sagt (Foto: Gianmarco Bresadola)

Katie Mitchell hat bereits mehrmals an der Schaubühne inszeniert und fast immer geht es in ihren Stücken um Weiblichkeit aus einer feminsitischen Sicht. Mit Elfriedee Jelineks Text zelebriert sie durch die Entsteheung eines Live-Films auf der Bühne Eurydikes unfreiwillige Reise aus dem Reich der Schatten zurück in die patriarchale Zivilisation.
------------------------------------------------------------------

Regie: Katie Mitchell   
Mitarbeit Regie: Lily McLeish   
Bildregie: Chloë Thomson
Bühne: Alex Eales   
Kostüme: Sussie Juhlin-Wallen   
Videodesign: Ingi Bekk
Mitarbeit Videodesign: Ellie Thompson   
Sounddesign: Melanie Wilson, Mike Winship   
Licht: Anthony Doran
Dramaturgie: Nils Haarmann   
Skript: Alice Birch   

Mit: Jule Böwe, Stephanie Eidt, Renato Schuch, Maik Solbach
Kamera: Nadja Krüger/Stefan Kessissoglou, Christin Wilke, Marcel Kieslich
Boom Operator: Simon Peter

Dauer: ca. 75 Minuten

Weitere Infos und Trailer auf der Seite der Schaubühne.

Essay zum Stück in Pearson's Preview: Weder Theater, noch Kino: Katie Mitchells dritte Kunstform in »Schatten«


OKTOBER
    
16.10.16 Streitraum: Kosmopolitismus und Menschenrechte (Schaubühne)
Carolin Emcke diskutierte mit ihrer Doktomutter Seyla Benhabib.
Einen Mitschnitt der Veranstaltung gibt es hier.


16.10.16 Podiumsdiskussion „Warum spielen“ (Schaubühne)
Am Abend des selben Tages gab es eine weitere Podiumsdikussion. Max und ich haben dazu diesen Beitrag verfasst.


26.10.16 Buchvorstellung: Carolin Emcke "Gegen des Hass" (Schaubühne)
Die mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Autorin las aus und sprach über ihr Buch mit René Aguigah (Deutschlandradio Kultur). In "Gegen des Hass" versucht sie zu erklären, wie es zu den extremen Formen der Feindlichkeit gegen Geflüchtete, Rassismus, Homophobie, religiösem und nationalistischem Fanatismus und Demokratiefeindlichkeit kommt und appelliert an ihre Leser*innen dem Hass zu widersprechen. Ein Lob des Vielstimmigen, des "Unreinen". Ein Denkanstoß und eine Argumentationshilfe für alle, die eine humanistische Haltung und offene Gesellschaft wollen.


31.10.16 re-visited Never Forever von Falk Richter (Schaubühne)
Nun habe ich auch dieses Stück von Falk Richter noch einmal gesehen. Regine Zimmermann ist eine tolle Besetzung für die weibliche Hauptrolle und jede Gelegenheit Tilmann Strauß zu sehen, der ja nicht mehr im Ensemble ist, ist lohnenswert. Berührend: Ilse Ritter!

Ilse Ritter in NEVER FOREVER (Foto: Arno Declair)


3. März 2016

Max Penthollow scheibt mir // Kapitel 14: Brillanter Trash (Premiere von "Borgen" an der Schaubühne)


Max Penthollow schreibt mir...

Liebe Maren,

kürzlich war ich bei der Premiere von „Borgen“ in der Schaubühne.

„Borgen“ - nach der TV-Serie von Adam Price, entwickelt mit Jeppe Gjervig Gram und Tobias Lindholm - Schaubühne Berlin – Regie: Nicolas Stemann - Premiere am Sonntag, 14. Februar 2016, 19:30 Uhr

Hier ist mein Text, für mich war es so:

„Borgen“, auf Deutsch „Die Burg“ (Schloss Christiansborg), nach der dänischen Polit-TV-Serie „Borgen“ von Adam Price.


Die Darsteller/innen kommen auf die Bühne und nehmen am Tisch Platz, es gibt Begrüßungsapplaus.

Die Politiker/innen inszenieren sich selbst, mithilfe des Fernsehens, als Produkte für den Wähler und die Wählerin. Sie versuchen, sich gegenseitig auszumanövrieren, selbst die Überlebenden der immerwährenden Intrige zu sein.


Stephanie Eidt als Birgitte Nyborg (Foto: Arno Declair)

Die wichtigen politischen Entscheidungen werden anderswo und von anderen getroffen, von Kartellen, Syndikaten und Lobbies. Das System hat die Macht und das System regiert.

Auf der Bühne sind etliche Monitore mit ausgeklügelten Live-Videostrecken, zusätzlich im Saal und auf der Bühne Teleprompter mit den Texten des Stücks, für die Darsteller/innen zum Ablesen, dazu kommen improvisatorische Elemente.

Es gibt Polit-Talkshows, Gesprächsrunden, den runden Elefantensitz als Symbol für den Zirkus. Der Fernsehsender TV1 kämpft gegen die TV-Konkurrenz um Zuschauer und Einschaltquoten.

Die Show zieht sich hin, das Stück scheint kein Ende zu finden, 3 ½ Stunden sind schon vergangen und es geht immer noch weiter, die Schauspieler/innen auf der Bühne rackern sich ab. Nach der ersten und nach der zweiten Pause sind etliche der Premierengäste schon gegangen, einige Sitzreihen haben sich gelichtet.


Wer hat das Nachsehen im Polit-Poker? (Foto: Arno Declair)

Einer der Darsteller sagt als Fernsehvertreter von TV1 gegen Ende des Stücks vorn an der Rampe: „wir haben viele Zuschauer verloren“. Er meint die Fernsehzuschauer von TV1, aber hier sind es die Zuschauer/innen des Premierenpublikums!

Talkrunde bei TV1 (Foto: Arno Declair)

Die Darsteller/innen haben alle wunderbar gespielt! Von den Dagebliebenen gibt es anhaltenden und teilweise begeisterten Applaus! Die Edlen sind schon der Ehre wert!

Für mich ist das Drama als Polit-Soap-Opera mit der Talkshow-Sitzgarnitur und den Monitoren und Telepromptern, mit der ganzen Mühe und den Anstrengungen der Darsteller/innen auf der Bühne und dem nach 3 ½ Stunden endlos erscheinenden Schlussteil inklusive Zuschauerverlust eine Metapher für das, was die Show porträtiert.

Schon deswegen ist es für mich brillanter und edelster Trash!

Liebe Maren, ich finde das Stück in diesem Sinne wunderbar und crazy und so abgefahren! Es wird sein Publikum finden!

Liebste Grüße

Max
----------------------------------------------------------------------

Regie: Nicolas Stemann   
Bühne: Katrin Nottrodt   
Kostüme: Katrin Wolfermann
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel   
Video: Claudia Lehmann   
Dramaturgie: Bernd Stegemann, Bettina Ehrlich   
Licht: Erich Schneider   

Mit: Stephanie Eidt, Sebastian Rudolph, Tilman Strauß, Regine Zimmermann   

Statisterie: Daniel Ahl, Frank Jendrzytza, Hauke Petersen, Steven Raabe, Fabrice Riese, Benjamin Scharweit, Philip Schwingenstein, Malik Smith

Dauer: ca. 225 Minuten (2 Pausen)

Weitere Infos und Trailer zum Stück auf der Seite der Schaubühne.

Essay zum Stück in Pearson's Preview: "Borgens" Vorhang lüften.

22. Dezember 2013

Familie im goldenen Hamsterrad: „Tartuffe“ von Moliére an der Schaubühne

Michael Thalheimer inszeniert zum zweiten mal an der Berliner Schaubühne. Sein "Tartuffe" wurde mit Spannung erwartet, denn zuvor erfuhr so gut wie niemand etwas über seine Inszenierung. Selbst am Haus wusste man wenig.



Lieblingsszenen:
1. Der Auftritt von Urs Jucker als Monsieur Loyal gehört jetzt zu meinen Top 3 der lustigsten Theatermoment; selten hab ich jemanden so viel aus so einem kurzen Auftritt herausholen sehen. 
2. Damis (Franz Hartwig) versucht, seinem Vater die Wahrheit über Tartuffe zu sagen: Hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Verachtung für den pummeligen, linkischen, Butterkeks mampfenden Jungen.
3. Tartuffe treibt die Familie durch das Hamsterrad des Bühnenbilds.



Bühne: Olaf Altmann, ein goldener Kasten, der sich im Laufe des Stückes zunächst zur Seite neigt und sich schließlich vertikal um seine Achse dreht. An der Wand ein Kruzifix. Der Ledersessel, als einziges Möbelstück, hängt somit an der Wand und der Decke. Es entstehen tolle Bilder, wie etwa wenn Mariane (Luise Wolfram) auf der Ecke des Kastens steht und sich das blaue Kleid wie ein Fächer entfaltet.



Herausragender Schauspieler: Tolle Ensembleleistung! Geradezu akrobatisches Können, wird den Schauspielern in der rotierenden schmalen Bühne abverlangt.
Orgon: Ingo Hülsmann
Elmire: Regine Zimmermann
Tartuffe: Lars Eidinger
Dorine: Judith Engel
Mariane: Luise Wolfram
Damis: Franz Hartwig
Valère: Tilman Strauß
Cléante Kay: Bartholomäus Schulze
Madame Pernelle: Felix Römer
Monsieur Loyal: Urs Jucker

Regie: Michael Thalheimer

Kritiken: Nachtkritik, Spiegel online, Tagesspiegel online, Zeit online, Welt online

Infos und Termine auf der Website der Schaubühne.

Fotos: Katrin Ribbe