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9. Dezember 2016

Moritz Gottwald erhält den Daphne-Preis 2016 der TheaterGemeinde Berlin


Für seine außergewöhnliche darstellerische Leistung erhält Moritz Gottwald den Daphne-Preis 2016 der TheaterGemeinde Berlin.

Er  studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin und arbeitete bisher mit Marius von Mayenburg, Thomas Ostermeier, Ivo van Hove, Alvis Hermanis, Lars Eidinger und Simon McBurney. Außerdem trat er mehrmals in Wengenroths Autorenklub an der Schaubühne auf.

Zum Schaubühne-Ensemble gehört er seit der Spielzeit 2011/12 und ist hier zur Zeit in folgenden Produktionen zu sehen: 

Die Ehe der Maria Braun
Nach einer Vorlage von Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Peter Märthesheimer und Pea Fröhlich
Regie: Thomas Ostermeier
in diversen Rollen

Die kleinen Füchse – The Little Foxes
von Lillian Hellman
Regie: Thomas Ostermeier
als Leo Hubbard

Ein Volksfeind
von Henrik Ibsen
Regie: Thomas Ostermeier
als Billing

Professor Bernhardi
von Arthur Schnitzler
Fassung von Thomas Ostermeier und Florian Borchmeyer
Regie: Thomas Ostermeier
als Hochroitzpointner

Richard III.

von William Shakespeare
Regie: Thomas Ostermeier
als Buckingham

Ungeduld des Herzens
von Stefan Zweig
Fassung von Simon McBurney, James Yeatman, Maja Zade und dem Ensemble
Regie: Simon McBurney
in diverse Rollen


Moritz Gottwald als Romeo in "Romeo und Julia", Regie: Lars Eidinger, 2013 (Foto: Arno Declair)


15. April 2016

FIND 2016 – Review Teil 2 (10.-12. April 2016): Verleihung des ITI-Preises, Mein Jahr ohne Udo Jürgens, Do You Still Love Me, SPEAK!

VIERTER TAG (Sonntag, 10. April 2016) 

Man gewöhnt sich immer so schnell an die Festivalzeit, dass es einem gar nicht mehr merkwürdig vorkommt, jeden Tag im Theater zu verbringen.

Verleihung der ITI-Preises zum Welttheatertag an Milo Rau
Milo Rau, der auf dem FIND mit "The Dark Ages" und der Schaubühnen-Produktion "Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs" vertreten ist, wird mit dem ITI-Preis des Internationalen Theaterinstituts (ITI) geehrt. Aus der Jurybegründung: »Milo Rau erregt mit seinem International Institute of Political Murder Anstoß. Er steht für eine Generation, die mit Kompromisslosigkeit auf die sich immer stärker radikalisierende Wirklichkeit reagiert. Haltung beziehend und Haltung einfordernd verleiht Milo Rau dem Theater und der Gesellschaft Impulse, die den Sprengstoff der globalen Konflikte in unsere Mitte holen«.  Die Preisverleihung findet im Bühnenbild von "Mitleid" statt. Die Laudatio hält Kathrin Röggla.

Mein Jahr ohne Udo Jürgens
Eins mal vorweg: Ich bin kein Fan von Udo Jürgens. Aber ich bin, das ist bekannt, ein Fan von Patrick Wengenroth. Während des szenischen Konzerts lesen er und Thomas Thieme aus Andreas Maiers Buch und singen natürlich. Am Klavier wie immer Matze Kloppe. Höhepunkt ist der im Duett gesungene Ohrwurm "Liebe ohne Leiden" (im Original mit Jenny Jürgens). In den Texten geht es (gefühlt) andauernd um Apfelwein (mit Sekt! gesprizt), der in Frankfurt getrunken wird. Außerdem um die Emotionalität von Jürgens' Liedern und darum, warum das, was Udo Jürgens gemacht hat, nur Udo Jürgens machen konnte. Ein herrlicher, sehr lustiger, anregender Abend! Wengenroth halt. Mehr davon. Immer. Gerne. Und - ich glaub's selbst nicht - Udo Jürgens ist mir nach diesen drei Stunden ein wenig näher. Vielleicht lese ich sogar das Buch...

Realisation: Patrick Wengenroth   
Musik: Matze Kloppe   
Ausstattung: Alena Georgi   
Kostüme: Marc Freitag   
Dramaturgie: Sina Katharina Flubacher   

Mit: Thomas Thieme, Matze Kloppe, Patrick Wengenroth


FÜNFTER TAG (Montag, 11. April 2016)

Do You Still Love Me
Ich fand nie, dass Theater und Fußball wenig gemeinsam haben. Die Haltung mancher Theater-Fans (wie mir) zum "Hobby" ist der der Fußball-Fans nicht unähnlich. Die freie Zeit wird so eingeplant, dass man möglichst oft dabei ist und vieles wird dem untergeordnet. Die Beschäftigung mit allem, was damit irgendwie in Zusammenhang steht, ist intensiv. Beides findet live und vor Publikum statt und lebt vom konflikthaften Aufeinandertreffen. Die Unterschiede zwischen Theater und Fußball liegen freilich beim Geld - für das eine gibts (zu) wenig, für das andere (zu) viel. Und in der Größe der Fangemeinde sowie der öffentlichen Wahrnehmung. Sanja Mitrović lässt in "Do You Still Love Me" französische und belgische Fußballfans und Schauspieler/innen aufeinandertreffen und die Hintergründe für ihre Begeisterung erläutern, die im Zusammenhang mit der eigenen Lebensgeschichte stehen. Der Bezug zu nationalen Symbolen und das Zugehörogkeitsgefühl zu Gruppen spielt dabei eine wichtige Rolle. Interessanterweise kommt während des Stücks nie da Gefühl auf, dass die nicht-professionellen Darsteller bei ihren Auftritten hinter den professionellen Schauspieler/innen zurückfallen. Und irgendwann vergisst man, wer zu welcher Gruppe gehört.
 
Fans (Foto: Joeri Thiry)

Regie: Sanja Mitrović
Dramaturgie: Jorge Palinhos
Kostüme: Frédérick Denis
Sound: Vladimir Rakic
Kamera und Videodesign: Sanja Mitrovic
Licht: Stéphane Lebonvallet
Produktion und Tourmanagement: Liesbeth Stas

Mit: Servane Ducorps, Cédric Eeckhout, Ina Geerts, Sid van Oerle & Kostas Pericaud, Dominique Piron, Sam De Leener, Gregory Uytterhaegen (Anhänger des Fußballvereins Royale Union Saint-Gilloise)

Dauer: ca. 110 Minuten

Eine Produktion von Stand Up Tall Productions (NL), La Comédie de Reims-CDN / Reims Scènes d’Europe (FR), Hiros (BE) in Koproduktion mit STUK (BE), Beursschouwburg (BE). Unterstützt von: The Amsterdam Fund for the Arts (NL), The Flemish Community (BE), Performing Arts Fund (NL).


Englischsprachige Q&A zum Stück in Pearson's Preview: What Football Supporters and Theatre Have in Common  


SECHSTER TAG (Dienstag, 12. April 2016)

SPEAK!
Noch ein Stück von Sanja Mitrović. Diesmal steht sie selbst auf der Bühne, zusammen mit dem flämischen Performer Jorre Vandenbussche. Beide tragen in einem Wettbewerb in acht Runden bekannte poltische öffentliche gehaltene Reden vor. Die Zuschauer/innen erfahren dabei erst nach den einzelnen Runden, wer die Reden im Original gehalten hat (z.B. Fidel Castro, Rosa Luxemburg, Margaret Thatcher, Severn Suzuki) und zu welchem Anlass. Nach jeder Runde muss das Publikum wählen, welcher Vortrag besser war. Jede Runde ist anders gestaltet: Die beiden sprechen nacheinander, gleichzeitig, abwechselnd oder ohne Worte. Mit vielen Gesten oder keinen. Sie nutzen Requisiten, Kostüme oder Kulissen. Die letzte Runde ist eine Compilation aller Reden ("We must..."-Sätze). Es gilt zwar die Performance zu bewerten, doch kann man sich nicht frei machen vom Inhalt der Rede. Das fließt zwangsläufig in die Bewertung ein. Auch kann ein Vortrag gelungener sein, aber die Person im gleichen Moment unsympathischer erscheinen. Und natürlich spielt es (zumindest für mich) eine Rolle, ob man ihr oder ihm den Sieg mehr wünscht (schon deshalb weil sie schlicht mit Frau/women und Mann/men bezeichnet werden). Die Entscheidungen fallen immer schwerer. Das Ergebnis am Ende fällt sehr knapp aus. Zum Schlussapplaus darf nur die/der Gewinner/in vor das Publikum treten. Was für eine Idee! Dafür gehe ich ins Theater, denn nur hier gibt's so etwas.

Sanja Mitrović (Foto: Bea Borgers)

Konzept, Regie und Choreografie: Sanja Mitrović
Bühne und Licht: Laurent Liefooghe, Christophe Antipas (LLAC Architects)
Kostüme: Frédérick Denis
Sound Design: Luka Ivanovic
Dramaturgie: Jonas Rutgeerts

Mit: Sanja Mitrović, Jorre Vandenbussche

Dauer: ca. 70 Minuten

Eine Produktion von Stand Up Tall Productions (NL), koproduziert von Kunstenfestivaldesarts (BE). Unterstützt von: Beursschouwburg (BE), Pianofabriek Kunstenwerklplaats (BE), SPRING Festival (NL), STUK Kunstencentrum (BE). Finanziell unterstützt von: The Amsterdam Fund for the Arts (NL).

6. Oktober 2014

London Calling, Friedrich-Luft-Preis und neue Ensemblebilder (Rückblick September 2014)

04.09.2014 - PREMIERE Leonce und Lena (Georg Büchner, Regie: Patrick Wengenroth, Schaubühne)
...inszenierte Langeweile - irgendwie lustig, streckenweise aber auch sehr langatmig...Wengenroths ganz eigener Humor und seine typischen Gesangseinlagen zünden wie immer, das Stück selber ist jedoch nur stellenweise mitreißend...

07.09.2014 - Veranstaltung der Freunde der Schaubühne: Brunch zum Spielzeitbeginn an der Schaubühne (siehe mein Bericht für die Freunde der Schaubühne)

07.09.2014    Never Forever (Falk Richter, Voraufführung, Schaubühne)

15.09.2014   PREMIERE Das Kalkwerk (Thomas Bernhard, Regie: Philipp Preuss, Schaubühne)
...Bernhard großartig in Felix Römers Monolog..

19.09.2014    For the Disconnected Child (Verleihung Friedrich-Luft-Preis, Schaubühne)
....Lucy Frickes Laudatio fast so bewegend wie das Stück und auf den Punkt mein Empfinden beschrieben... 

20.09.2014    Kampagnenvorstellung Ensemblebilder (Fotografen Mahler, Schaubühne)
...wunderbare Bilder, bei denen die Frauen im Ensemble in jedem Fall  die Männer übertreffen...

21.09.2014    Archivübergabe Schaubühne an die Akademie der Künste   

24.-28.09.2014    Londonreise (siehe mein Bericht für die Freunde der Schaubühne)

21. Mai 2012

tt12: Fünf Stunden "Platonov" mit Burgtheater-Stars / 3sat Innovationspreis für Nicolas Stemann

Burgtheater-Stars: Johanna Wokalek und Martin Wuttke (Foto: Georg Soulek)
Nachdem man die erste Stunde überstanden hat, wird die restliche Zeit von Alvis Hermanis’ „Platonov“ (Burgtheater Wien/Akademietheater) doch noch kurzweilig. Während das Stück am Anfang noch dahinplätschert und man sich fragt, ob man die fünf Stunden durchsteht – dabei ist die Inszenierung bei weitem nicht die längste auf dem tt12: acht Stunden Faust 1+2, unzählige Stunden Borkmann – nimmt es spätesten mit Martin Wuttkes Auftritt (wie zu erwarten) Fahrt auf. Absoluter Höhepunkt ist die lange Szene nach der Pause, in der Platonov (Wuttke) mit Isaac Abramovic (Fabian Krüger) über die Leidenschaft zu Anna Petrovna (Dörte Lyssewski) fabuliert. Beide sind nach einer langen Partynacht stockbesoffen – eine dankbare Szene für die beiden Schauspieler, die hier Komik vom Feinsten zeigen können und dem Publikum die verdienten Lacher bescheren. Überhaupt trägt der Liebes- und Beziehungsreigen des Stückes im zweiten Teil dazu bei, dass die Handlung eine größere Spannung erfährt. Neben Martin Wuttke als Star und Hauptfigur des Stückes bleibt vor allem Dörte Lyssewski (Megastimme, imposante Erscheinung, starkes Spiel) in Erinnerung.


Eine Zukunft für Sofia (J. Wokalek) und Michael (M. Wuttke)? (Foto: Georg Soulek)
Damit es das Publikum nach dem Theatermarathon nicht allzu schnell in den Garten der Berliner Festspiele zieht, um dort am Lagerfeuer bis in die Nacht zu feiern und diskutieren, spendiert 3sat Freigetränke für alle. Nach einer kurzen Pause wird zum Abschluss des Theatreffens nämlich noch der 3sat Innovationspreis verliehen. Und der geht dieses Jahr an Nicolas Stemann: Toll! Weil Stemann nicht nur ein großartiger Regisseur ist, sondern auch noch richtig gut reden kann, findet der Abend einen würdigen Abschluss.

Die Neuerungen, wie ein anderes, schickeres Coporate Design und räumliche Veränderungen, die wohl dem neuen Intendanten der Berliner Festspiele, Thomas Oberender und der neuen Leiterin des Theatertreffen, Yvonne Büdenhölzer, zu verdanken sind, haben dem tt12 gut getan. Wie immer wurde über die Auswahl gestritten und die eine oder andere eingeladene Inszenierung von Kritikern und Zuschauern mit Kopfschütteln bedacht. Aber das wird sich wohl nie ändern und gehört einfach dazu.

5. Mai 2012

tt12: Sophie Rois im Blumenmeer


Die Entscheidung, die Verleihung des Theaterpreises dieses Jahr in den Berliner Festspielen durchzuführen (anstatt im Deutschen Theater wie in den letzten Jahren) war gut. Als zentrale Spielstätte des Theatertreffens gehört diese erste wichtige Veranstaltung auch hier her.

Preisträgerin 2012: Sophie Rois (Foto: Nadine Loes)
Auch sonst war die Preisverleihung dieses Jahr besonders, denn es war von allem etwas dabei: ungewollte und gewollte Komik, Politik, Aufregung und eine Preisträgerin, deren Charme man sich kaum entziehen kann. Zu Sophie Rois, die den Preis 2012 erhielt, braucht man nicht viel zusagen. Es gibt wohl kaum jemanden, der bestreiten würde, dass sie ihn (schon längst) verdient hat.

Wie üblich sprach Walter Rasch von der Stiftung Preußische Seehandlung einige einleitende Worte und sorgte dank einiger peinlicher Versprecher für Spaß beim Publikum: Aus Thomas Oberender, dem neuen Intendanten der Berliner Festspiele, macht er Herrn Obermeier und Walter Momper wurde kurzerhand in Lomper…äh…Womper umgetauft.

Klaus Wowereit musste sich, bevor er den Preis übergeben durfte, zu den vor dem Festspielhaus demonstrierenden Studenten der Ernst-Busch-Schauspielschule äußern.Was nervte waren einige Buh-Rufe aus dem Publikum, denn schließlich ging es ja nicht um Wowereit bei dieser Veranstaltung. Wer da nur im Publikum sitzt, um zu stören - vorher oder nachher kann ja jeder gerne seine Meinung sagen - verweigert der Preisträgerin den gebührenden Respekt.

Wer sonst soll diese Laudation halten: René Pollesch (Foto: Nadine Loes)
Bernd Begemann, ein Chor und Schauspielkollegen von Sophie Rois sorgten für das Rahmenprogramm und René Pollesch hielt zitternd und super-aufgeregt die Laudatio. Die Rede auf seine Lieblingsschauspielerin gehörte zu den Höhepunkten der Verleihung. Wer hätte gedacht, dass ein Profi wie Pollesch so nervös sein würde. Diese Nervosität übertrug sich spürbar aufs Publikum und wahrscheinlich haben viele heimlich gebetet, dass er die Rede bis zum Ende durchsteht, ohne vorher zu kollabieren. Doch niemand nahm’s ihm übel und vielleicht hat ihn dieser Auftritt sogar etwas sympathischer gemacht. Und wen sonst hätte man sich als Laudator für Sophie Rois vorstellen können?!

Die Laudation von René Pollesch in voller Länge gibt's hier.

Ein paar Blumen für Sophie Rois (Foto: Nadine Loes)
Und dann kam sie – souverän und für den Spaß, den sich die Veranstalter mit ihr ausgedacht hatten, nicht zu schade. Anstatt des üblichen schön gebunden Blumenstraußes wurden Sophie Rois hunderte von einzelnen Blumen übergeben, so viele, dass bis sie sie am Ende kaum noch halten konnte. Und sie hat einfach mitgespielt – so was kann man auch nur mit Sophie Rois machen!

Sophie Rois ist während des Theatreffens 2012 (und danach wieder im regulären Programm der Volksbühne) in "Die (s)panische Fliege" von Herbert Fritsch zu sehen. 

13. Oktober 2011

Freunde der Schaubühne: Venedig (1)

Ich erlaube mir, von unserer Reise nicht chronologisch zu berichten und beginne mit dem eigentlichen Grund und damit gleichzeitig mit dem Höhepunkt unseres Aufenthalts in Venedig: Die Verleihung des Goldenen Löwen an Thomas Ostermeier am Montag, 10.10.2011 im Ca’ Giustinian im Rahmen der Biennale Teatro 2011. Während der gleichen Zeremonie erhielt Stefan Kaegi (bzw. das Rimini Protokoll) den Silbernen Löwen als Auszeichnung für ein vielversprechendes Theaterprojekt. Wäre es nach Ostermeier gegangen, hätte das Rimini-Protokoll ebenso den Goldenen Löwen bekommen, wie er in seiner Dankesrede betont.

Wie kann man eine solche Preisverleihung noch toppen? Klar – mit Theater! Weil ich den Hamlet der Schaubühne (ja, mein Lieblingsstück und von der Schaubühne sowieso!) das letzte mal vor drei Jahren gesehen habe, habe ich mich den ganzen Tag auf die Vorstellung – die Italien-Premiere – gefreut. Die Betreiber des Teatro Goldoni haben es dann auch noch extra spannend gemacht, indem sie statt wie geplant um 20 Uhr einfach ein halbe Stunde später angefangen haben. Sicherlich auch für die Schauspieler, die ja schon vor Beginn des Stückes auf der Bühne sind, keine tolle Situation. Schuld waren Ungereimtheiten bei der Sitzplatzverteilung. Aber so richtig hat uns das zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr gewundert – hatten wir doch die letzten Tage gelernt, dass die Italiener Absprachen manchmal nicht so verbindlich nehmen bzw. Missverständnisse ganz normal sind. Schließlich hatten alle irgendeinen Platz, sogar die, die ohne Karte am Theater ankamen (wie schön!), allerdings nicht immer den allerbesten (nicht so schön!). Wenn man gefühlte 500 Meter entfernt von der Bühne sitzt, die man nur komplett sieht, wenn man aufsteht, ist man froh, wenn man das Stück schon mal gesehen hat. Es ist halt immer besser, wenn man die Gesichter der Schauspieler sehen kann. Aber: Im Rückblick ist das alles nur noch halb so schlimm und das Stück entschädigt für alle Unannehmlichkeiten. Lars Eidinger hat extra für das Venezianische Publikum ein paar Italien spezifische Besonderheiten eingebaut („Mamma Mia!“) und ansonsten freut man sich einfach über die für den Schaubühnen-Hamlet typischen Elemente: Deichkind, New Balls, usw. Und natürlich die tollen, tollen Schauspieler! Wir habens genossen und das italienische Publikum auch.


Der Rest ist ein spätes Abendessen gemeinsam mit dem Schaubühnen-Team im Paradiso Perduto. Für den Weg zurück zum Hotel lassen wir uns viel Zeit, fahren drei Stationen Vaporetto mit einigen Schauspielern. An der letzten Brücke wollen wir eigentlich noch nicht, dass der Tag und damit unsere Venedig-Reise zu Ende ist. Daher bleiben wir hier einfach noch eine halbe Stunde stehen und werfen Münzen in den Kanal, damit wir wieder kommen können.

24. Mai 2011

tt11: Das wars... leider!


Kaum ist man so richtig in Theatertreffen-Stimmung, ist es auch schon wieder vorbei. Und jetzt heißt es leider wieder 50 Wochen warten bis zum nächsten. Das tt12 wird unter einer neuen Intendanz und neuer Direktion stattfinden. Wir dürfen gespannt sein, welche Neuerungen das bringt, welche Inszenierungen eingeladen werden und wie das Publikum und die Presse darauf reagieren.

Am vorletzten Tag, Sonntag, wurde - wie immer zum Abschluss - der Alfred Kerr Darstellerpreis verliehen. Jurorin Eva Mattes lobt die Leistung von Lina Beckmann in Das Werk/Im Bus/Ein Sturz und im Kirschgarten.

Direkt danach gabs die Abschlussdiskussion, in der sich die Jury den kritischen Fragen des Publikums stellen musste. Die Frage, die viele bewegete: Warum zwei Inszenierungen von Herbert Fritsch (Der Biberpelz und Nora) eingeladen wurden. Eine befriedigende Antwort gab es von der Jury leider nicht. Dafür Begründungen, warum bestimmte Produktionen nicht eingeladen wurden. Aber das kann ja auch interessant sein. Etwas ärgerlich waren einige Wortmeldungen aus dem Publikum, bei denen es schlicht darum ging, jetzt auch noch mal zu sagen, welches Stück man langweilig fand und welches einen nicht berührt habe. Nach der xten Wortmeldung dieser Art, war das dann doch etwas einseitig. Vor allem, weil die Kritisierenden kaum deutlich machten, was sie denn nun anders oder besser machen würden und welches denn die Kriterien für die Auswahl sein sollen. Wie so oft lief das dann mal wieder auf die Frage hinaus, welchen Sinn das Theatertreffen erfüllen soll. Dies zu beantworten ist m.E. unmöglich, denn da gibt es unzählige Ansichten und einen Konsens wird man hier schwer finden können.

Das Theatertreffen hat mir in diesem Jahr viel Spaß und mich um einige Theatererkenntnisse reicher gemacht. Aber ein Wermutstropfen bleibt wie immer: Als normal arbeitender und durchschnittlich verdienender Mensch, kann man es sich zeitlich und finanziell kaum leisten, alle eingeladenen Inszenierungen zu sehen. Schade! Man hat doch immer das Gefühl, etwas wichtiges verpasst zu haben und nicht überall mitreden zu können. Zwei Wochen Urlaub im Mai nächsten Jahres wären vielleicht eine Lösung. Und ich nehme mir mal wieder vor, jetzt schon mit dem Sparen für die Tickets anzufangen.

Um das Theatertreffen bis zur letzten Minute auskosten zu können, bin ich am späten Abend noch zum Konzert von Lisa Bassenge im Foyer der Berliner Festspiele gegangen. Was für eine herrliche Stimmung: Die Euphorie des (fast) letzten Abends. Überall wuseln die Schauspieler von Via Intolleranza II und andere bekannte Gesichter herum und im Garten tummeln sich die Theaterfans trotz Regens rund um das obligatorische Lagerfeuer.

Aber irgendwann muss dann auch mal Schluss sein. Also schnell raus aus dem Festspielhaus, nicht mehr rumdrehen, sonst wird man wehmütig, und sich aufs nächste Jahr freuen!

PS. Das Blogger/innen-Team hat dieses Jahr eine tolle Arbeit gemacht. Der tt11-Blog war in den letzten drei Wochen meine Haupt- und Lieblingslektüre. Weiter so und vielen Dank!

PPS. Das Logo des tt1 war genial! Besonders der Überraschungsefekt, wenn man es umdreht. Super Idee!

Bild: © Berliner Festspiele

20. Mai 2011

tt11: Stückemarkt Preisverleihung

Die Gewinner/innen des Stückemarkts stehen fest. Den Förderpreis der neuen Dramatik erhält Juri Sternburg ("der penner ist jetzt schon wieder woanders"). Den Werkauftrag erhält Anne Lepper ("Hund wohin gehn wir") und mit dem Hörspielpreis wurde Mario Salzar ("Alles Gold was glänzt") ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!

Hier ist das Interview, das die tt11-Blogger/innen mit den drei Autor/innen führten, nachzulesen - sehr amüsant!

Das besondere am Stückemarkt bzw. den szenischen Lesungen der neuen Texte ist aus meiner Sicht das Rohe und noch nicht Eingeordnete. Bei der Lesung von "Brachland" (Dimitrij Gawrisch), die ich zu Beginn des Stückemarkts sah, ging mit der Technik einiges schief und die Schauspieler verpassten hier und da ihre Einsätze. Das verzeiht man ihnen aber gern, weil es zeigt, dass der Text noch nicht in eine fertige Inszenierung gepackt ist und noch ganz viel Spielraum für Interpretation und Umsetzungsmöglichkeiten lässt.

8. Mai 2011

tt11: Theaterpreis Berlin 2011 für die Gotscheff-Familie


Wo Thilo ist, will Dimiter Gotscheff wissen, nachdem er den Theaterpreis gemeinsam mit seinen Schauspieler/innen Almut Zilcher, Wolfram Koch und Samuel Finzi entgegen genommen hat. Er habe Sarrazin persönlich eingeladen, er sei wohl nicht da. Er habe ihm zeigen wollen, wie es ist, wenn "vier Gaukler mit Migrationshintergrund" in Deutschland einen Preis erhalten. Die "Gaukler" kommen aus Bulgarien (Gotscheff und Finzi), Koch wuchs in Frankreich auf und Zilcher ist ein "armes Flüchtlingskind" aus Österreich.

Auch in Samuel Finzis Dankesrede geht es um Herkunft: Er könne noch immer nicht Deutsch sprechen, aber da er ja Schauspieler sei, würde er einfach so tun, als könne er es. Er hoffe, als Schauspieler mit Migrationshintergrund nach dem Erhalt des Theaterpreises den ersten Teil dieses Wortes streichen zu können - vielleicht irgendwann mal nur noch den letzten Teil zu benötigen: Schauspieler mit Grund.

Wolfram Koch, der es wie Luther halten möchte ("Tritt fest auf, machs Maul auf, hör bald auf."), erzählt eine bezaubernde Anekdote über einen Kindertheaterbesuch mit seinem 5jährigen Sohn.

Almut Zilcher erklärt in Anlehnung an ihre Rolle aus Ritter, Dene, Voss, wie es ist, in der Gotscheff-Familie zu leben und zu spielen. Und als Zuschauer/in wird einem nach der fast 2,5stündigen Preisverleihung wieder einmal klar, auf der Bühne sehen wir doch die am liebsten, die da auch hingehören: Schauspieler.

Das beweist nicht zuletzt auch der moderierende Peter Jordan, indem er die Patzer in der Technik durch spontane Improvisationen rettet. Überhaupt können die Zuschauer/innen dank seiner Auftritte immer wieder zwischen den zahlreichen Redebeiträgen kurz durchatmen und entspannt lachen.

Noch nie ging der Theaterpreis an ein vierköpfiges Team. Die Schauspieler beflügeln den Regisseur und umgekehrt heißt es in der Jurybegründung. Und das ist der Grund, warum Gotscheff sich den Preis mit drei Mitgliedern seiner "Familie" teilen darf. Dazu passt das Foto auf dem Programm zur Preisverleihung: Koch und Finzi sitzen auf Zilchers und Gotscheffs Schoß - ein ungewöhnliches, aber wunderschönes Motiv.

Herzlichen Glückwunsch an die Preisträger/innen und danke dafür, immer noch mehr Lust aufs Theater zu bekommen!

3. Mai 2009

Theatertreffen 2009: Theater ist Vergänglichkeit

Bei der heutigen Verleihung des Theaterpreises an Jürgen Gosch und Johannes Schütz im Rahmen des Theatertreffens bezeichnete der Laudator Roland Schimmelpfennig Theater als vergänglich, denn alles, was einmal auf die Bühne gebracht werde, verschwinde wieder. Gerade das sei es, was Theater so besonders mache.

Ich möchte diesen Gedankengang aufgreifen und etwas weiterführen…

Wir sind daran gewöhnt, alles, was wir im Fernsehen sehen, aufzeichnen zu können, uns Filme auf DVD auszuleihen oder Sendungen aus dem Internet downzuloaden. So können wir eine Filmszene beliebig oft sehen, wenn sie uns gefällt oder wir sie nicht verstanden haben. Wir können einen Film oder eine Aufzeichnung einer Sendung auch anhalten, wenn wir aus welchen Gründen auch immer eine Pause brauchen. Im Theater geht das nicht.

Sicher, manchmal werden Theaterstücke aufgezeichnet, so dass wir sie uns später bei ARTE oder 3sat ansehen können, aber das ist nicht das gleiche wie das Erlebnis einem Stück im Theater zu folgen und es mitzuerleben. Kameraführung und Schnitt geben bei einer Aufzeichnung in gewisser Weise vor, was der Zuschauer vor dem Bildschirm sieht. Auch fehlen die besondere Atmosphäre, die herrscht, wenn wir im Zuschauerraum sitzen und das Gefühl, das Erlebnis mit irgendwie Gleichgesinnten zu teilen.

Fernsehen und Kino ist duplizierbar, kann abgespeichert und jederzeit wieder abgerufen werden, und ist deswegen leider oft auch sehr beliebig. Sich hingegen ein Theaterstück anzusehen, ist immer ein einmaliges Erlebnis.

Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, sich eine Inszenierung mehrmals anzusehen, es wird aber trotzdem jedes Mal etwas anderes sein, denn bei jeder Aufführung wird es kleine (wenn auch oft nur minimale) Abweichungen vom letzten mal geben. Auch kann es vorkommen, – z.B. bei Stücken, die sehr lange auf dem Spielplan stehen – dass Umbesetzungen vorgenommen werden, welche der Inszenierung eine neue Nuance verleihen können. Wer häufig ins Theater geht, wird bemerken, dass es Inszenierungen gibt, in denen die Schauspieler unterschiedlich auf die Zuschauer reagieren, z.B. in Szenen in denen das Publikum angesprochen bzw. miteinbezogen wird. Theater ist eben „live“, also echt und unmittelbar. Die Distanz zu dem, was vor unseren Augen abläuft, ist deswegen geringer. Auch die Tatsache, dass wir uns terminlich, nach dem Angebot und Spielplan eines Theaters richten müssen, spielt eine Rolle. Auf diese Weise entsteht keine Beliebigkeit.

Im besten Fall schärft Theater sogar unsere Sinne und wir lernen, richtig hinzusehen und -hören und damit zu verstehen. Während einer Aufführung ist die Aufmerksamkeit des Zuschauers sehr viel stärker gefragt als vor dem Bildschirm oder der Leinwand. Wenn wir etwas nicht verstanden haben, können wir das Stück nicht zurücklaufen lassen. Wenn uns eine Szene besonders gut gefallen hat, können wir sie uns nicht unmittelbar noch einmal ansehen. Wir können, das, was wir sehen, auch nicht anhalten, um eine Pause zu machen, sondern wir müssen dem Stück weiter folgen. Wir müssen zuhören und zusehen und aufpassen, dass wir nichts verpassen, damit wir begreifen, was uns gezeigt wird. Das macht das Erleben eines Theaterstücks viel intensiver als es ein Film oder eine Fernsehsendung zu leisten vermag.

Und – um die Worte von Roland Schimmelpfennig an dieser Stelle wieder aufzugreifen – irgendwann, auch wenn ein Stück über viele Jahre auf dem Spielplan eines Theaters steht, verschwindet es und wird nie wieder von einem Zuschauer gesehen werden. Es ist nicht reproduzierbar. „Theater ist Vergänglichkeit“, sagte Schimmelpfennig in seiner Laudatio. Genau das ist es, was das Erlebnis Theater so besonders und vor allem einzigartig macht.