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18. September 2015

Nicht brav sein: Premiere von "thisisitgirl" von Patrick Wengenroth (im Studio der Schaubühne)

Ein bekanntes Zitat von Laurie Penny lautet »Being a good girl gets you nowhere. Asking nicely for change gets you nowhere. Mutiny is necessary. Class mutiny, gender mutiny, sex mutiny, love mutiny. It’s got to be mutiny in our time.«

"Nice(ly)" war es an der Schaubühne bei der Premiere von "thisisitgirl" (Realisation Patrick Wengenroth) am 16.09.2015 nicht, sondern laut und deutlich. Ungleichbehandlung und Maskulismus existieren - warum also nicht auf der Bühne zeigen.

Eine Schauspielerin (Iris Becher), drei Schauspieler (Ulrich Hoppe, Laurenz Laufenberg, Andreas Schröders) in Frauenkleidern, in Männerkleidern, in Unterwäsche, in hohen und flachen Schuhen (siehe dazu die Texte auf dem Programmzettel zum Stück) stellen Fragen, Frauenfragen für Frauen und Männer. Perspektivenwechsel inklusive.

Laurenz Laufenberg im Kleid und Andreas Schröders in Hose (Foto: Gianmarco Bresadola)
Iris Becher: Ihr findet es OK, wenn Frauen Jeans tragen, sich die Haare kurz schneiden und männliche Merkmale nachahmen. Weil es gut ist, ein Mann zu sein. Aber wenn Männer Frauenkleider tragen, findet ihr das unwürdig. Weil ihr die Frau selbst unwürdig findet (sinngemäß aus "thisisitgirl").

Ja. Doch! Es braucht ihn noch den Feminismus - solange Männer (und Frauen) immer noch nicht verstehen, warum wir gleiche Rechte in allen Bereichen haben müssen. Und das bedeutet nicht, dass Frauen bessere Männer werden müssen.

"Dit is it, girl!" - Iris Becher (Foto: Gianmarco Bresadola)

Vier mutige Schauspieler/innen im Studio der Schaubühne. Viel Humor, Ironie, Anleihen an die Popkultur (wie immer bei Wengenroth). Die Musik wie gewohnt von Matze Kloppe (im Einhornkostüm) und jede Menge Songs von den 80ern bis heute.

Eine tolle Premiere! Dit is it, girl!

Danach führte ich noch ein kurzes Gespräch mit Andreas Schröders und ein sehr langes und gutes mit Ulrich Hoppe. Schön war's!

Um weiter ins Thema einzutauchen, gibts von Einar & Bert einen Büchertisch mit feministischer Literatur.

Meine Leseempfehlungen:
Laurie Penny: Fleischmarkt
Yasmina Banaszczuk / Nicole von Horst / Mithu M. Sanyal / Jasna Strick: "Ich bin kein Sexist, aber ..."

Im Stück verwendete Literatur/Texte (u.a.):
Sylvia Plath: Die Tagebücher
Shulamit Firestone: Frauenbefreiung und sexuelle Revolution
Klaus Theweleit: Männerphantasien

Peter Pan - Ulrich Hoppe (Foto: Gianmarco Bresadola)

Realisation: Patrick Wengenroth   
Bühne: Mascha Mazur   
Kostüme: Ulrike Gutbrod   
Musik: Matze Kloppe   
Dramaturgie: Giulia Baldelli   

Mit: Iris Becher, Ulrich Hoppe, Matze Kloppe, Laurenz Laufenberg, Andreas Schröders, Patrick Wengenroth   

Dauer: ca. 135 Minuten

Weitere Infos zum Stück auf der Seite der Schaubühne.

Pearson's Preview zum Stück hier.

13. Januar 2014

Wengenroths Autorenklub: Ausgabe 1 - Lilian Hellman (Schaubühne)

In seinem neuen Salon-Format stellt Regisseur Patrick Wengenroth Autoren aktueller Inszenierungen an der Schaubühne vor. In der ersten Ausgabe betrachtete Wengenroth gemeinsam mit Schauspielern, Dramaturg Florian Borchmeyer und Theaterkritiker Thomas Irmer das Werk und Leben von Lilian Hellman. Für die musikalische Untermalung sorgte Matze Kloppe, der regelmäßig in Wengenroths Inszenierungen mit auf der Bühne steht. "Die kleinen Füchse" hat am 18. Januar 2014 Premiere an der Schaubühne (Regie: Thomas Ostermeier).

Es wurde aus Texten von Hellmann gelesen, gespielt, improvisiert, gesungen - besonders beeindruckend Eva Meckbachs zurückgenommene Version von Simon & Garfunkels "America" - und diskutiert. Es ging um Alkohol - ebenso wie viele ihrer männlichen Kollegen (z.B. Hemingway) war Hellman Alkoholikerin -, Rauchen und "unamerikanische Umtrieb" - die politische linke Aktivistin Lilian Hellmann und ihr Lebensgefährte Dashiel Hammett gerieten in den 50ern ins Visier Senator Mc Carthys.

Wie wir das von Wengenroth kennen wurde mit Ironie und Spaß nicht gespart. Ein gut gelauntes Publikum verließ nach drei Stunden den Theatersaal, um bei Wein und Bier das Wochenende einzuläuten.

Im März und April sollen weitere Ausgaben mit Brecht (Herr Puntila und sein Knecht Matti unter der Regie von Friederike Heller hat am 11. März 2014 Premiere) und Bolaño ("2666" unter der Regie von Àlex Rigola hat am 3. April 2014 Premiere) folgen.

Die taz schreibt über der Abend: "Die Grandezza des Rauschs"