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19. Juni 2016

Iggy Pop oder Robocop: "Keiner findet sich schön" von René Pollesch (Volksbühne)

„Wer so eine Frisur hat, hat doch kein Leben!“

Es wurde viel gelacht in der Volksbühne und alle, die da saßen, erkannten sich in Polleschs Stück wieder. Auf Tinder und Grinder matcht es oder auch nicht. Immer wieder die Frage, gehe ich raus (zum Iggy Pop Konzert, bei dem alle nur kurz das Smartphone wegstecken, um den stage-divenden Star aufzufangen) oder bleibe ich zu Hause (und schaue Robocop). Und wenn ich rausgehe oder rausgegangen wäre, was wäre dann geschehen? Mit mir, dem Nachbarn, der Frau, die ich (nicht) getroffen habe (hätte)...

"no fear" - Teddy auf Stripes-Boden: Bühnenbild von Bert Neumann (Foto: Maren Vergiels)

Trotz all des Witzes und trotz des Lachens – irgendwie ist die Essenz des Stückes auch ein wenig traurig und frustrierend oder macht zumindest nachdenklich. Es geht um Liebeskummer, Beziehungsunmöglichkeit, das Gescheitert-Sein der Vierziger, die Frage „Was wäre gewesen wenn“, die Restzeit-Story (untermalt von der Musik der West Side Story mit Jets- und Sharks-Tänzer/innen in US-Flaggen-Stars auf US-Flaggen-Stripes). Der knuddelige aufblasbare Teddy lässt sich auch nicht richtig aufrichten und Fabian Hinrichs singt "I did it your way" - nicht in New York sondern Schweinfurt.

„Ein Paar sitzt im Restaurant. Sagt der eine zum anderen: Warum bist du so geistesabwesend? - Ja, bitte mit Eis.“ (Sigmund Freud)

Nach dem Schlussapplaus kommt Fabian Hinrichs noch einmal auf die Bühne und erklärt entschuldigend, er habe die Souffleuse heute ein wenig zu oft um Hilfe gebeten (dabei habe ich gedacht: bei Pollesch ist das doch immer so - die Souffleusen haben hier immer einen wichtigen Part, weil die Schauspieler/innen dauernd nach dem Text fragen und sie spielen in seinen Stücken häufig quasi eine Nebenrolle, manchmal auch auf der Bühne). Er sei vor zwei Tagen zum zweiten mal Vater geworden und habe daher so gut wie nicht geschlafen, er sei daher mit dem Kopf teilweise nicht bei der Sache gewesen. Aaaw!

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Mit: Fabian Hinrichs

Tanz und Choreographie: Nina Baukus, Rebekka Esther Böhme, Uri Burger, Nikos Fragkou, Jessica Kammerer, Denise Noack, Tobias Roloff

Text und Regie: René Pollesch
Bühne: Bert Neumann
Kostüme: Tabea Braun
Licht: Frank Novak
Ton: Tobias Gringel, William Minke
Souffleuse: Katharina Popov
Dramaturgie: Anna Heesen

Spieldauer: 1 Stunde 20 Minuten 

Weitere Infos und Textauszug auf der Seite der Volksbühne.

4. Mai 2016

Max Penthollow schreibt mir // Kapitel 16: Laut und leise ("Sommergäste" in der Volksbühne)

Max Penthollow schreibt mir...

Liebe Maren,

ich war am 15. März 2016 in der Premiere von "Sommergäste" nach(!) Maxim Gorki an der Volksbühne und ein weiteres mal am Freitag, 18.März 2016 (erste Vorstellung nach der Premiere).

"Sommergäste" von Maxim Gorki - Volksbühne Berlin - Regie: Silvia Rieger - Premiere am Dienstag, 15. März 2016, 20 Uhr

Bei der Premiere habe ich es so empfunden:
Student/innen der Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst. Ich fand es schön und interessant, die Darsteller/innen hatten viel Freude ebenso wie das Publikum. Allerdings habe ich bisher keinen wirklichen Zugang gefunden zum Konzept der Inszenierung. Es war für mich insgesamt sehr laut und die Darsteller/innen haben teilweise sehr laut gesprochen (herausgeschrien und herausgebrüllt!), teilweise so laut, dass ich es nicht richtig verstanden habe.

Das Publikum saß auf der Bühne, das Stück spielte im Zuschauerraum. Einige Motive habe ich aus der Schaubühnen-Inszenierung wiedererkannt (ich habe die Schaubühnenfassung von Alvis Hermanis  fünfmal gesehen, vor drei oder vier Jahren).

Ich würde die Absicht der Regisseurin, Silvia Rieger,  gern besser verstehen. Aus meiner Sicht konnten die Schauspielstudenten einen Teil von den tollen Sachen zeigen, die sie können, aber mehr davon wäre für mich auch spannend gewesen.

Interessant und sehenswert ist die Inszenierung aus meiner Sicht allemal!

Nach der Premiere hat es mir keine Ruhe gelassen und ich bin noch einmal in das Stück gegangen. Nun komme ich zu dem folgenden Ergebnis:

Die Darsteller/innen haben zwar in ihrem Spiel viel und dominierend geschrien, das Schreien hat mich aber diesmal weniger irritiert und mehr beeindruckt als bei der Premiere, ich habe die Texte diesmal besser verstanden, und es gab doch immer noch und im ganzen Stück auch viele leise Momente, die für mich ganz bezaubernd waren. Sie waren in meiner Wahrnehmung am ersten Abend unter den lauten Tönen weitgehend untergegangen.

Silvia Riegers Inszenierung ist schlicht und schnörkellos, der Text und die Bühnenshow sind auf Wesentliches reduziert und durch Neues ergänzt.

Ich fand es wieder ganz toll, mit welcher Begeisterung und Lust und Freude die Darsteller/innen ihr Spiel gemacht haben! Die schwarze Bühne ist weitgehend leer, es gibt wenige Leitmotive: eine große weiße Birke, einen großen weißen Pilz und ein langes rotes Tischtuch schräg über den Bühnenboden, mit weißen Esstellern und silberglänzendem Besteck. Sehr schöne fantasie- und liebevoll gestaltete Kostüme, schönes Licht und eindrucksvolle Musik!

Mein Fazit: Gorkis "Sommergäste" ist und bleibt ein wunderbares Stück und die Inszenierung von Silvia Rieger und das begeisterte muntere Spiel der Darsteller/innen haben mir sehr gut gefallen! Sehr fein!

Es gab fröhlichen Applaus!

Allerliebst

Max
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Eine Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin

Regie: Silvia Rieger
In der Bühne von: Bert Neumann
Kostüme: Laurent Pellissier
Licht: Torsten König
Einrichtung Musik und Ton: Wolfgang Urzendowsky
Dramaturgie: Sabine Zielke

Mit: Frank Büttner, Maximilian Hildebrandt, Daniel Klausner, Benjamin Kühni, Martin Otting, Marie Louise Rathscheck, Theresa Riess, Celina Rongen, Kim Schnitzer, Janet Stornowski, Ulvi Erkin Teke, Léa Wegmann und Felix Witzlau

Dauer: 1 Stunde 55 Minuten  

Weitere Infos auf der Seite der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.